
Große Begegnung auf hoher See: 48 Pottwale nördlich von Menorca gesichtet
Große Begegnung auf hoher See: 48 Pottwale nördlich von Menorca gesichtet
Bei einer zweiwöchigen Forschungsfahrt wurden nördlich von Menorca 48 Pottwale gezählt, rund ein Fünftel davon Jungtiere. Für die Insel bedeutet das: das Meer meldet sich zurück.
Große Begegnung auf hoher See: 48 Pottwale nördlich von Menorca gesichtet
Manchmal genügt ein Blick aufs offene Wasser, und das Meer überrascht einen. In der zweiten Julihälfte legten Forscher bei einer zweiwöchigen Expedition nördlich von Menorca etwa 1.100 Seemeilen zurück und dokumentierten 48 Pottwale. Rund 20 Prozent der registrierten Tiere waren Jungtiere – ein Anblick, der hier an Land Gespräche entfacht: am Hafen von Port de Pollença, im Café an der Plaça Major oder beim Frühsport am Passeig Marítim in Palma.
Die Wissenschaftler arbeiteten im Rahmen eines Projekts mit dem Namen „Moby Mummy“. Ziel war es, das Vorkommen dieser großen Zahnwale in einem Gebiet nördlich Menorcas systematisch zu erfassen und mehr über ihre sozialen Strukturen und ihren Zustand zu erfahren. Mit Fotoaufnahmen von Schwanz- und Brustflossen, Hydrofonen für akustische Messungen und Luftbildern sammelten sie Daten, die Rückschlüsse auf Ernährungszustand und mögliche Trächtigkeiten erlauben.
Wie die Begegnungen aussahen
Insgesamt gab es elf Begegnungen: zwei davon wurden ausschließlich akustisch registriert, neun sowohl visuell als auch per Hydrofon. Bei den rein akustischen Ortungen erschienen Gruppen mit fünf beziehungsweise zwei Tieren auf den Sonaraufzeichnungen. Die kombinierten Sicht- und Tonbegegnungen bestanden aus drei Einzelmännchen und sechs Gruppen mit zusammen 38 Tieren; darunter waren neun Jungtiere. Die größte beobachtete Gruppe zählte sieben Pottwale, von denen drei Jungtiere waren.
Diese Zahlen sind nicht nur Statistik. Auf einem heißen Augustmorgen, wenn der Tramuntana nur ein schwaches Flüstern ins Tal schickt und Fischer am Kai ihr Netz flicken, sorgen Berichte über so viele Wale für ein kollektives Aufatmen. Menschen, die sonst über den Touristenandrang stöhnen, sehen plötzlich das Meer als etwas, das es zu bewahren gilt. Auf kleinen Booten vor Cala Ratjada oder an Deck einer Fähre Richtung Menorca wird jetzt öfter verstohlen nach dem Horizont geschaut.
Was das für Mallorca bedeutet
Für die Inselgruppe ist die Sichtung ein positives Zeichen: Das Vorkommen von Mutter-Kalb-Gruppen weist auf Räume mit ausreichend Nahrung und relativ ungestörten Gewässern hin. Das kann lokale Forschung beflügeln und zugleich Anbieter von Bootsfahrten, Tauchzentren und Naturschutzinitiativen anspornen, ihre Aktivitäten enger auf Schutz und verantwortliche Beobachtung auszurichten. Wenn Bootsführer in Port d'Alcúdia und Segelschulen in Cala d'Or künftig gezielter auf Abstand und ruhiges Verhalten achten, profitieren sowohl Tiere als auch Einheimische langfristig.
Die dokumentierten akustischen Signaturen sind zudem ein Schatz für die Forschung: Pottwale kommunizieren und jagen mit Klicklauten, die Hinweise auf Sozialverhalten und Jagdstrategien geben. Solche Informationen helfen, Schutzgebiete planerisch zu untersetzen – eine Basis, auf die Regionalbehörden, Forschende und Interessenvertretungen bauen können.
Blick nach vorne
Wer jetzt an einem ruhigen Abend am Passeig del Born steht und das Rauschen des Meeres hört, kann sich vorstellen, dass weit draußen junge Pottwale üben, zu tauchen. Die jüngsten Beobachtungen sollten Anlass sein, den Dialog zwischen Forschung, Tourismus und lokaler Bevölkerung zu vertiefen: mehr ruhige Beobachtungsregeln, Ausbau von citizen-science-Angeboten und Schulungen für Bootsbetreiber wären praktikable Schritte. Auf diese Weise bleibt die Insel nicht nur ein Urlaubsziel, sondern ein Lebensraum, der kurzfristig staunen und langfristig schützen lässt.
Ein Sommer wie dieser erinnert daran, dass das Meer lebendig ist. Das geht uns an – den Fischern, den Strandverkäufern, den Kindern, die in der Bucht planschen, und all jenen, die an einem lauen Abend dem Klang der Wellen lauschen.
Häufige Fragen
Was bedeuten Pottwal-Sichtungen nördlich von Menorca für Mallorca?
Wie sollte man sich bei Wal-Beobachtungen auf Mallorca verhalten, zum Beispiel rund um Port d'Alcúdia?
Welche Orte rund um Mallorca wurden im Zusammenhang mit Walbeobachtungen genannt?
Wie unterstützt die Walforschung Planung von Schutzgebieten rund um Mallorca?
Was bedeuten Mutter-Kalb-Gruppen für das Verbreitungsgebiet der Pottwale nahe Mallorca?
Welche Rolle spielt Citizen-Science bei Wal-Beobachtungen in Mallorca?
In welchem Zeitraum wurden die Wal-Beobachtungen nördlich von Menorca dokumentiert, und was bedeutet das für den Sommer in Mallorca?
Was bedeuten die Wal-Sichtungen für Bootsbetreiber und Tauchzentren rund um Mallorca?
Ähnliche Nachrichten

Zwölf Jahre nach dem Überfall: Festnahme in Spanien wirft Fragen auf
Ein 70-Jähriger wurde in Zaragoza gefasst – zwölf Jahre nach einem bewaffneten Banküberfall in Aachen. Warum dauerte die...

Fünf Jahre „Unter vier Augen“: Wie eine deutsche Autorin Mallorca Woche für Woche zuhört
Seit fünf Jahren erscheint jeden Donnerstag die Kolumne „Unter vier Augen“. Talia Christa Oberbacher erzählt von Hängema...

Nächtlicher Fehlalarm vor Menorca: Was der „Mann über Bord“-Alarm auf der MSC Grandiosa offenlegt
Ein „Mann-über-Bord“-Alarm auf der MSC Grandiosa rund 26 Seemeilen vor Menorca sorgte am späten Abend für Angst an Bord....
Richard Branson wieder auf Son Bunyola: Ein Promi-Sommer mit mallorquinischem Flair
Der britische Unternehmer Richard Branson verbringt den Sommer in seinem Anwesen in der Serra de Tramuntana. Sein Aufent...

Cas Català: Mann fotografierte Kinder – Wie sicher sind unsere Strände?
Am Strand von Cas Català beobachteten Eltern einen älteren Mann, der wiederholt Kinder und Babys mit seinem Handy filmte...
Mehr zum Entdecken
Entdecke weitere interessante Inhalte

Bootsfahrt mit BBQ entlang des Es Trenc Strandes

Privater Transfer vom Flughafen Mallorca (PMI) nach Pollensa
