55 Grad auf dem Vorfeld: Abfertiger am Flughafen Son Sant Joan unter Hitze-Stress

55 Grad auf dem Vorfeld: Wer schützt die Abfertiger am Airport?

55 Grad auf dem Vorfeld: Wer schützt die Abfertiger am Airport?

Arbeiter am Flughafen Son Sant Joan klagen über extreme Temperaturen, unzureichende Trinkmöglichkeiten und Fahrzeuge ohne Klimaanlage. Eine Gewerkschaft fordert rasche Schutzmaßnahmen — doch wer trägt die Verantwortung?

55 Grad auf dem Vorfeld: Wer schützt die Abfertiger am Airport?

Leitfrage: Reichen die bestehenden Schutzmaßnahmen am Flughafen Son Sant Joan aus, um Beschäftigte bei Spitzenhitze vor gesundheitlichen Risiken zu bewahren?

Mittags, wenn die Sonne über Son Sant Joan steht und das Vorfeld nach heißem Asphalt riecht, geht hier im Minutentakt die Arbeit weiter: Gepäckwagen rollen, Schlepper knattern, Ramp-Teams schieben Container. Genau in dieser Phase, zwischen etwa 12:00 und 16:30 Uhr, laufen die meisten Flüge ein und aus – und nach Schilderungen der Gewerkschaft USO sind viele Beschäftigte mitten in der wohl heißesten Schicht der Saison. Messwerte von Arbeitsbereichen geben an, dass punktuell Werte um 55 °C möglich waren. Das klingt nach Schlagzeile, ist für die Betroffenen Alltag.

Die Vorwürfe: Fahrzeuge, die stundenlang in der Sonne stehen, haben nicht überall eine funktionierende Klimaanlage. Trinkwasser ist zwar vorhanden, oft in Flaschen, aber feste, leicht erreichbare Zapfstellen auf dem gesicherten Bereich sind rar: Demnach gibt es nur wenige Trinkwasserstationen, die sich auf bestimmte Terminals und den Gepäckhof konzentrieren. Hinzu kommt, laut USO, dass manche Maschinen – sogenannte APU-Hilfstriebwerke an geparkten Flugzeugen – laufen, obwohl Bodenstrom und Bordklimatisierung hätten genutzt werden können. Diese Hitzequellen erhöhen die Belastung für jene, die auf dem Vorfeld arbeiten.

Kritische Analyse: Das Problem ist mehrschichtig. Erstens kollidiert der betriebliche Schwerpunkt mit dem thermischen Maximum des Tages. Zweitens sind infrastrukturelle Lücken sichtbar: ungleich verteilte Trinkwasserpunkte, wenige schattige Bereiche und mangelhafte Belüftung in Fahrzeugen. Drittens entsteht ein Konflikt zwischen operativen Gewohnheiten der Airlines (etwa der weiterlaufenden APU) und den Schutzinteressen des Bodenpersonals. Rechtlich gibt es in Spanien eindeutige Vorgaben zur Gefährdungsbeurteilung und zur Prävention hitzebedingter Risiken; praktisch aber zeigt sich, dass zwischen Forderung und Umsetzung gelegentlich eine Lücke klafft.

Was im öffentlichen Diskurs oft fehlt: Es wird hauptsächlich über Verspätungen, Starts und Landungen gesprochen – weniger über die Menschen, die das alles vor und nach dem Flug organisieren. Risiken wie Erschöpfung, Hitzekrämpfe oder Kreislaufzusammenbrüche tauchen in Debatten erst, wenn ein ernster Vorfall passiert. Ebenso wenig diskutiert wird, wer konkret die Kosten trägt, wenn zusätzliche Maßnahmen nötig werden: Die Flughafenbetreiber, die Airlines, die Dienstleister oder der Gesetzgeber?

Eine Alltagsszene, die das Problem greifbar macht: An einem heißen Junitagnachmittag steht ein Kollege am Rand des Vorfelds, die Kappe bis über die Ohren gezogen, das Handtuch am Nacken. Zwischen zwei Fliegern macht er eine kurze Pause, das Bluetooth-Radio murmelt Ersatzwellen; neben ihm dampft der Asphalt. Ein Gepäckwagenfahrer winkt, seine Hände sind von der Arbeit rostbraun und staubig. Kein Schatten weit und breit, nur die flirrende Luft über dem Rollfeld.

Konkrete Lösungsansätze, die sofort greifen könnten: Mehr und besser verteilte Trinkwasserstationen im gesicherten Bereich – fest installierte Zapfstellen, nicht nur Flaschen; zusätzliche, temporäre Sonnensegel an stark genutzten Ständen und Ladezonen; verpflichtende Klimaanlagen-Wartung für Fahrzeuge, die im Passagierverkehr eingesetzt werden; der konsequente Einsatz von Bodenstrom und Bodenklimaanlagen statt APUs, wann immer möglich; klare Dienstplangestaltung mit Hitze-angepassten Pausen in klimatisierten Räumen und kürzeren Rotationseinsätzen auf dem Vorfeld.

Weitere Maßnahmen mit mittelfristiger Wirkung: Installation von Temperatur- und Luftfeuchtesensoren an relevanten Arbeitsstellen, verbindliche Notfallprotokolle für hitzebedingte Zwischenfälle, betriebsübergreifende Absprachen zwischen Aena, Airlines und Handling-Firmen sowie Schulungen zur Erkennung von Hitzesymptomen. Öffentliche Kontrollinstanzen sollten die Einhaltung der Präventionspflichten prüfen und Verstöße sanktionieren können. Auch tarifliche Regelungen zur Vergütung besonderer Hitzebelastung wären denkbar.

Ein Punkt zur Verantwortung: Aena als Infrastrukturbetreiber kann grundsätzlich Rahmenbedingungen schaffen – etwa die Genehmigung und Durchsetzung von Bodenstromnutzung oder die Bereitstellung von Infrastruktur für Trinkwasser und Schatten. Die operativen Entscheidungen (wie das Abschalten der APU) liegen jedoch bei den Airlines; die praktische Umsetzung von Pausen- und Rotationsplänen obliegt den Arbeitgebern der Bodenabfertigung. Ohne ein abgestimmtes Vorgehen aller Parteien wird sich an der täglichen Belastung wenig ändern.

Pointiertes Fazit: Es geht nicht um Alarmismus, sondern um Alltagssicherheit. Wenn Menschen bei über 50 Grad Asphaltwärme Koffer heben und Flugzeuge betreuen müssen, ist das eine arbeitsmedizinische Herausforderung, die Planung und klare Verantwortlichkeiten verlangt. Kleine Schritte – mehr Wasser, Schatten, klimatisierte Pausenräume – sind schnell umsetzbar und würden spürbar helfen. Wer auf Son Sant Joan am laufenden Band Flieger abfertigt, sollte nicht erst dann gehört werden, wenn etwas Schlimmes passiert.

Für Mallorca bedeutet das: Hitze ist hier kein abstraktes Phänomen, sie sitzt in den Rücken derjenigen, die die Insel täglich mit Flügen versorgen. Das verdient mehr Aufmerksamkeit – und konkrete Taten, nicht nur warme Worte.

Häufige Fragen

Wie wirkt sich die Hitze am Flughafen Mallorca auf das Bodenpersonal aus?

Bei Hitze arbeiten Bodenpersonal, Gepäck- und Ramp-Teams oft mitten im Tageshoch. Ohne ausreichende Schattenplätze, fest installierte Trinkwasser-Stationen und klimatisierte Pausenräume steigt das Risiko für Kreislaufprobleme, Dehydrierung und Erschöpfung. Teilweise werden APU-Hilfstriebwerke weiter betrieben, obwohl Bodenstrom und Bordklimatisierung möglich wären.

Welche Schutzmaßnahmen würden sofort helfen, das Personal am Vorfeld zu schützen?

Mehr und besser verteilte Trinkwasserstationen sind zentral; feste Zapfstellen statt reiner Flaschen. Zusätzlich Schattenbereiche und temporäre Sonnensegel in stark genutzten Bereichen. Außerdem sollten Fahrzeuge regelmäßig gewartet und der Einsatz von Bodenstrom bevorzugt werden, statt kontinuierlich APUs.

Wer trägt Verantwortung für die Hitzeschutzmaßnahmen am Flughafen – Betreiber, Airlines oder Gesetzgeber?

Auf Mallorca gilt, wie im Rest des Landes, dass der Infrastrukturbetreiber Rahmenbedingungen schafft; Airlines und Handling-Firmen sind für Umsetzung verantwortlich. Es existieren Vorgaben zur Gefährdungsbeurteilung und Prävention, doch deren Praxis variiert. Nur eine abgestimmte Zusammenarbeit aller Beteiligten führt zu wirksamen Schutzmaßnahmen.

Wie sollten Temperatur und Luftfeuchtigkeit am Vorfeld gemessen und überwacht werden?

Der Einsatz von Temperatur- und Luftfeuchtesensoren an relevanten Arbeitsstellen wird empfohlen. Dazu gehören verbindliche Notfallprotokolle für hitzebedingte Zwischenfälle. Betriebsübergreifende Absprachen sowie regelmäßige Kontrollen helfen, die Einhaltung sicherzustellen.

Wie sinnvoll ist der Einsatz von APU-Hilfstriebwerken gegenüber Bodenstrom am Vorfeld?

APUs erzeugen zusätzliche Hitze, daher wird der Einsatz von Bodenstrom bevorzugt, wann immer möglich. Die Entscheidung liegt bei den Airlines; Infrastruktur wie Klimatisierung in Fahrzeugen sollte gewartet und genutzt werden. Klare Rotations- und Pausenpläne helfen, Überlastung zu vermeiden.

Welche Tipps gibt es für Besucher am Flughafen Mallorca, um die Hitze zu bewältigen?

Kleidung sollte locker und hell sein; eine Kopfbedeckung schützt vor direkter Sonneneinstrahlung. Viel Wasser trinken und regelmäßige Pausen in klimatisierten Bereichen helfen, länger gut durch den Tag zu kommen. Achten Sie auf Anzeichen von Überhitzung, besonders bei längeren Wartezeiten.

Wie funktionieren Notfall- und Krisenpläne bei Hitze am Flughafen – wer setzt sie um?

Es gibt verbindliche Notfallprotokolle und Schulungen zur Erkennung von Hitzesymptomen. Die Umsetzung hängt von den beteiligten Firmen ab; öffentliche Kontrollinstanzen können Verstöße prüfen. Eine enge Abstimmung zwischen Aena, Airlines und Dienstleistern sorgt dafür, dass Prävention gelebt wird.

Welche langfristigen Schritte sind denkbar, um Hitze am Vorfeld besser zu bewältigen – am Flughafen Mallorca?

Verbindliche betriebsübergreifende Absprachen und Investitionen in Schatten, Wasserstationen und klimatisierte Pausenräume wären sinnvoll. Sensorik und Notfallprotokolle sollten fester Bestandteil der Betriebskultur werden. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Aena, Airlines und Dienstleistern ist nötig, damit Maßnahmen dauerhaft umgesetzt werden.

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