Behzod Abduraimov – "Inferno": CD-Tipp aus Palma

CD-Tipp: Behzod Abduraimov – "Inferno" und das leise Feuer am Klavier

CD-Tipp: Behzod Abduraimov – "Inferno" und das leise Feuer am Klavier

Behzod Abduraimovs neues Album „Inferno“ führt vom präzisen Tastenwerk Czernys über Liszts dramatische Passagen bis zu Debussys Klangfarben. Eine warme Empfehlung aus Palma für den nächsten ruhigen Abend zuhause oder den Weg ins Auditori.

CD-Tipp: Behzod Abduraimov – "Inferno" und das leise Feuer am Klavier

Ein Album, das mehr erzählt als nur Noten

Als ich neulich vorm Café an der Plaça de Cort stand, zog aus dem Auditori die Erinnerung an einen Abend, wie in Utopie in Tönen — Beethovens Neunte, an dem ein Pianist das Publikum auf eine Art berührt hatte, die man nicht so leicht vergisst. Behzod Abduraimov hat mit seinem neuen Album "Inferno" genau dieses Gefühl in die Schallplatte gebracht: kein großes Showman-Getöse, eher ein inneres Glühen, das erst bei genauem Hinhören sichtbar wird.

Die Auswahl der Stücke auf "Inferno" liest sich wie ein Spaziergang durch verschiedene Klimazonen der Klaviermusik. Czerny eröffnet und überrascht: statt Museumston trifft man auf präzise Mechanik voller Witz. Danach kommt Liszts Dante-Sonate, die hier nicht als bloßer Feuersturm daherkommt, sondern als sorgfältig gesetzte Architektur aus Spannung und Loslassen. Wer Abduraimov kennt – und viele auf Mallorca kennen ihn noch vom Auditori-Auftritt 2022 – merkt die gleiche kontrollierte Dringlichkeit wieder.

Debussy auf diesem Album wirkt wie ein klarer Nachthimmel über dem Hafen: keine süße Verklärung, sondern ein feines Netz aus Farben und Atmung. Zwischen diesen Polen stehen Stravinsky und Brahms, kleine Kapitel, die das Ganze zusammenhalten. Es ist die Kunst, Virtuosität nicht zur Schau zu stellen, sondern sie als Mittel zum Ausdruck zu nutzen. Das macht das Album hörbar anders.

In Palma, wenn im Passeig des Born die Vespas rollen und der Duft von gebrühtem Kaffee aus den Cafés steigt, sind das die Aufnahmen, die man gern in einer ruhigen Stunde auflegt. Das Album passt zu einem späten Abend auf dem Balkon, wenn die Stadt leiser wird, oder zu einem Spaziergang entlang der Hafenmole, wenn die Lichter der Boote flackern. Es ist Musik für Zuhörer, die gern noch eine Weile nachspüren.

Was mich an Abduraimovs Spiel besonders anspricht, ist die Balance zwischen Kopf und Herz. Technische Brillanz ist selbstverständlich vorhanden, aber sie dient hier einer inneren Logik. Die dramatischen Ausbrüche wirken deshalb echt; sie scheinen aus einem steten inneren Druck zu kommen, nicht aus dem Bedürfnis nach Effekten. Das ist ein reifer, selbstbewusster Zugang, der mich an die Konzerte erinnert, in denen man das Gefühl hat: Hier erzählt jemand seine Version der Musik.

Für Mallorca ist so ein Album aus mehreren Gründen wertvoll. Erstens hält es die Erinnerung an live erlebte Abende frisch und macht Lust auf Konzerte im Auditori oder kleineren Sälen. Zweitens bringt es Klaviermusik zu Menschen, die sonst vielleicht eher Pop oder Chillout hören; in einer Stunde auf einem Markt oder im Café kann so eine Aufnahme Türen öffnen. Und drittens: es ist ein Angebot für die vielen, die hier leben und arbeiten und abends etwas Echtes hören wollen — nicht nur Begleitmusik.

Praktischer Tipp: Wer Lust hat, sollte das Album bei einem Spaziergang durch die Altstadt hören — die Gassen schlucken den Klang nicht, sie schenken ihm Raum. Und wer die Interpretation lieber live erleben möchte: aufmerksam die Konzertprogramme der Saison beobachten; ein Pianist mit diesem Profil kommt in den nächsten Jahren sicher wieder nach Palma.

Ein kleines, persönliches Bild zum Schluss: Nach einem langen Dienstag steckte ich mir die Kopfhörer in die Tasche, lief am Meeresufer entlang und merkte, wie einige Abschnitte von "Inferno" mich genau dort abholten, wo Stadtlärm und Alltagssorgen übriggelassen werden. Das ist für mich die eigentliche Stärke des Albums: es begleitet und verwandelt den Moment, ohne laut zu proklamieren, dass es etwas Besonderes ist.

Fazit: "Inferno" ist kein Plädoyer für Virtuosität um jeden Preis. Es ist ein Album, das mit ruhiger Hand und klarem Blick musikalische Gegensätze zusammenführt. Für alle, die Klaviermusik nicht als Relikt, sondern als lebendigen Atem verstehen wollen, ist es eine lohnende Begegnung — empfehlenswert für lange Abende auf Mallorca und jede ruhige Pause zwischendurch.

Häufige Fragen

Ist das Album „Inferno“ von Behzod Abduraimov eher ruhig oder virtuos?

Beides spielt eine Rolle, aber nicht im Sinne einer lauten Show. Abduraimov verbindet technische Brillanz mit viel Kontrolle und innerer Spannung, sodass die Musik eher glüht als funkelt. Wer auf Mallorca nach Klaviermusik mit Tiefe sucht, findet hier ein Album, das sich Zeit nimmt.

Welche Musik eignet sich auf Mallorca für einen ruhigen Abend mit Kopfhörern?

Für einen stilleren Abend passen Aufnahmen, die nicht im Vordergrund drängen, sondern Raum lassen. Klaviermusik wie Behzod Abduraimovs „Inferno“ eignet sich gut, weil sie zwischen Spannung, Farben und Ruhe wechselt. Gerade auf Mallorca, wenn draußen die Stadt langsam leiser wird, kann so ein Album sehr gut tragen.

Kann man auf Mallorca klassische Klaviermusik auch unterwegs hören?

Ja, gerade unterwegs funktioniert klassische Klaviermusik oft überraschend gut. Ein Album wie „Inferno“ begleitet Spaziergänge durch die Altstadt, Momente am Hafen oder eine Pause im Café, ohne sich aufzudrängen. Wichtig ist eher die passende Stimmung als ein bestimmter Ort.

Wie klingt Debussy auf dem Album „Inferno“ von Behzod Abduraimov?

Debussy wirkt auf diesem Album nicht süßlich oder verwaschen, sondern klar und fein ausgeleuchtet. Die Aufnahme betont Farben, Atmung und Struktur, statt nur eine weiche Stimmung zu erzeugen. Das macht die Stücke besonders interessant für Hörer, die auf Mallorca auch bei klassischer Musik genau hinhören.

Warum lohnt sich ein Konzertabend im Auditori de Palma für Klaviermusik?

Das Auditori de Palma ist ein Ort, an dem fein gearbeitete Klaviermusik gut zur Geltung kommt. Gerade Pianisten mit viel Kontrolle und Ausdruck können dort ihre Dynamik und Nuancen entfalten. Wer auf Mallorca klassische Konzerte schätzt, findet dort oft Abende, die lange nachwirken.

Welche Stücke sind auf einem vielseitigen Klavieralbum wie „Inferno“ besonders spannend?

Spannend sind vor allem Stücke, die starke Gegensätze erlauben: präzise, fast mechanische Passagen, dramatische Sonaten und leichtere, farbigere Miniaturen. Auf „Inferno“ treffen unter anderem Czerny, Liszt, Debussy, Stravinsky und Brahms aufeinander. Genau diese Mischung macht ein Album abwechslungsreich und lebendig.

Ist klassische Musik auf Mallorca auch etwas für Menschen, die sonst Pop hören?

Ja, gerade gut aufgenommene Klaviermusik kann ein leichter Einstieg sein, weil sie zugänglich und zugleich abwechslungsreich ist. Ein Album wie „Inferno“ setzt nicht auf Distanz, sondern auf Stimmung, Spannung und klare Gesten. So kann klassische Musik auch für Hörer interessant werden, die sonst eher Pop oder ruhigere elektronische Musik mögen.

Wann ist die beste Zeit, um auf Mallorca Musik wie „Inferno“ zu hören?

Am besten funktioniert so ein Album in Momenten, in denen man nicht nebenbei zuhört. Ein später Abend, ein ruhiger Spaziergang oder eine stille Pause auf dem Balkon passen gut dazu. Auf Mallorca entfaltet Klaviermusik wie „Inferno“ besonders dann Wirkung, wenn der Alltag etwas zurücktritt.

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