
Eingeseifte Pinie in Pollença: 17‑Jähriger klettert sich zum Sieg
Eingeseifte Pinie in Pollença: 17‑Jähriger klettert sich zum Sieg
Beim Sant‑Antoni‑Fest in Pollença wurde ein rund zehn Meter langer Pinienstamm eingeseift und bestiegen. Der 17‑jährige Joan Rebassa erreichte Spitze und Applaus gegen 22:00 Uhr.
Eingeseifte Pinie in Pollença: 17‑Jähriger klettert sich zum Sieg
Als die Nacht über Pollença fiel und die Laternen auf der Plaça Major warmes Licht auf die gespannten Gesichter warfen, roch die Luft nach gebratenen Mandeln und rauchigem Holz. Jugendliche und Ältere drängten sich an den Rändern des Platzes; irgendwo spielte jemand Gitarre, ein Motorroller zirpte in der Ferne. Mitten in diesem Durcheinander stand ein handlicher, aber steiler Gegner: ein etwa zehn bis zwölf Meter langer Stamm einer Pinie, zuvor vom Hafen hierher getragen.
Der Baum hatte nicht den leichtesten Start. Beim Transport brach die Spitze ab, beim erneuten Tragen riss der Stamm fast in der Mitte – übrig blieb das Stück, das dann das eigentliche Spektakel bot. Es ist typisch für das Sant‑Antoni‑Fest in dieser Ecke Mallorcas: improvisiert, laut, voller kleiner Pannen und genau deshalb so ehrlich. Nachdem der Stamm mit Seife eingerieben worden war, begann der Wettkampf. Jugendliche aus der Gemeinde stellten sich nacheinander der glitschigen Herausforderung.
Der Abend gehörte schließlich Joan Rebassa, 17 Jahre alt. Gegen kurz vor 22:00 Uhr gelang es ihm, mit einer Mischung aus Mut, Kraft und einer überraschenden Portion Technik die oberste Stelle des eingeseiften Stamms zu erreichen. Die Menge jubelte, Kinder klatschten, ältere Zuschauer schüttelten lächelnd den Kopf – man kann sich kaum vorstellen, wie etwas so Simplifiziertes wie Seife einen ganzen Platz in Aufruhr versetzen kann.
Die Erinnerung an den Vorjahressieger hing in der Luft: 16‑jährige Jaume Coll hatte im Jahr zuvor für Aufsehen gesorgt, weil er den Baum in weniger als zwanzig Minuten erklommen hatte. Solche Zahlen werden hier gerne weitergereicht, von Gesprächen am Kiosk bis zu Nachbarschaften, wo man über Technik, Tempo und Balance fachsimpelt. Es sind Geschichten, die lokale Identität spannen: wer hat geklettert, wer hat angefeuert, wer hat bei der Organisation geholfen.
Für Pollença ist das Fest mehr als ein sportlicher Vergleich. Es ist ein Stück Alltag, das einmal im Jahr übersprudelt: Familien aus den Carrer‑Gassen bringen Decken und Thermoskanne, die Marktstände kämpfen um die letzten Portionen, und die älteren Männer diskutieren trocken über das richtige Maß Seife. Die Veranstaltung zeigt, wie Brauchtum und Jugend zusammenkommen; hier lernen jüngere Generationen alte Rituale ohne große Show, aber mit Herzblut.
Wer in den kommenden Jahren zuschauen will, sollte früh kommen und gute Schuhe tragen: Kopfsteinpflaster und Gedränge sind kein guter Mix mit Flip‑Flops. Aus der Nähe geht die Gefahr nicht nur von der glatten Rinde aus, sondern auch von den vielen Armen, die beim Anfeuern in Bewegung sind. Ein kleiner praktischer Tipp: an der Plaça Major gibt es schattige Ecken, von denen aus man das Geschehen gut überblickt und zugleich Teil der Gemeinschaft bleibt.
Der sichtbare Gewinn an so einem Abend ist mehr als der Applaus für den besten Kletterer. Es sind die Kurzgespräche zwischen Fremden, das Lachen eines Kindes, das erste Mal, dass ein Jüngerer eine uralte Aufgabe übernimmt. In einer Zeit, in der vieles organisiert und auf Social Media geplant ist, bleibt so ein spontaner Wettbewerb ein Privileg: eine lokale Geschichte, die sich jedes Jahr neu erzählt. Joan Rebassa hat gestern die Spitze bezwungen. Die Stadt hat wieder einmal ihre Tradition bestätigt – mit etwas Seife, viel Mut und einem Stück Pinie, das jetzt für neue Anekdoten sorgt.
Ausblick: Wer das nächste Sant‑Antoni‑Fest erlebt, bringt warme Kleidung für den Abend mit, schaut respektvoll aus der Distanz zu und lässt die Jugend klettern. Für Pollença ist das eine Erinnerung daran, dass Gemeinschaft oft in einfachen, lauten Momenten entsteht.
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