
Es darf auch mal ein Glas Wein sein: Wie eine Autorin Mallorca als Lebensschule nutzt
Es darf auch mal ein Glas Wein sein: Wie eine Autorin Mallorca als Lebensschule nutzt
Ulla Rahn-Huber lebt seit Jahrzehnten auf Mallorca und verbindet Forschung zur Langlebigkeit mit Alltag: Garten, Gemeinschaft, mediterrane Küche und ein Stück Gelassenheit.
Es darf auch mal ein Glas Wein sein: Wie eine Autorin Mallorca als Lebensschule nutzt
Wenn am frühen Morgen die Fischerboote im Hafen von Andratx leise klappern und die Glocken der Dorfkirche die Luft schneiden, sitzt Ulla Rahn-Huber schon im Garten zwischen Lavendel und Margeriten. Das kleine Haus, das sie zwischen Dorf und Wasser gefunden hat, ist kein Rückzugsort im klassischen Sinn, sondern eine Werkstatt für Alltag und Lebenskunst – so beschreibt sie ihr Zusammenleben mit der Insel.
Rahn-Huber ist in Deutschland aufgewachsen, hat als Dolmetscherin und Übersetzerin gearbeitet und vor einigen Jahrzehnten den Weg hierher über eine zufällige Begegnung in Nürnberg gefunden. Die mallorquinische Familie, der sie damals half, lud sie später ein; aus Ferien wurden Besuche, aus Besuchen ein dauerhaftes Zuhause. Vieles auf der Insel – die Pinien, die kurzen Wege zum Meer, das dörfliche Miteinander – sieht sie heute als Bausteine eines nachhaltigen Lebensstils.
Ihr Interesse an Langlebigkeit begann nach einer eigenen Krankheit und führte sie zu Reisestudien in Regionen, die Forschende als Blue Zones bezeichnen: Orte, an denen Menschen häufig sehr alt werden und dabei vergleichsweise fit bleiben. Aus Begegnungen mit älteren Bewohnern in Japan und Mittelmeerregionen hat sie für sich ein Resümee gezogen: Es geht nicht um das Einhalten strenger Regeln, sondern um eine Balance aus Bewegung, Gemeinschaft, einfacher Küche, innerer Haltung und einem Sinn im Alltag.
Das heißt bei ihr konkret: keine ständigen Verbote, gelegentlich Genuss, einfache Zubereitung mit lokalen Zutaten. Ein schnelles Pamboli am Abend ersetzt für sie manchen Fastfood-Knigge – Brot, Knoblauch, geriebene Tomaten, Olivenöl. Ein Glas Wein gehört da manchmal dazu; alles andere wäre für sie eine zu trockene Doktrin. Wichtig ist außerdem Regelmäßigkeit: Spaziergänge in den Hügeln rund um Andratx, Treffen mit der englischsprachigen Kunstgruppe im Artmadams Hotel in Palma und ein großes Stück Gartenarbeit, das Körper und Kopf in Bewegung hält.
Wer mit Rahn-Huber ins Gespräch kommt, merkt schnell: Sie kombiniert praktisches Wissen mit Neugier. Die japanische Idee von Ikigai, dem kleinen, nicht laut schreienden Lebenssinn, ist für sie kein abstrakter Begriff, sondern ein Instrument, das Projekte und Alltag verbindet. Aus Interessen an Geschichte und Literatur entstand unter einem Pseudonym sogar ein Roman über Japan. Solche kreativen Aufgaben, sagt sie, nähren die Motivation und sind Teil eines funktionierenden Alltags, der Altern nicht als Makel, sondern als Prozess begreift.
Das ist gute Nachricht für Mallorca. Die Insel bietet die Zutaten, die Rahn-Huber für Langlebigkeit nennt: ein Klima, das Bewegung nach draußen erleichtert; Märkte mit frischem Obst und Gemüse; Nachbarschaften, in denen Kontakte gepflegt werden können. Lokale Initiativen, Treffpunkte und kleine Vereinshäuser tragen dazu bei, dass das soziale Netz vorhanden ist – nicht perfekt, aber vorhanden.
Eine kleine Alltagsszene: Am späten Nachmittag sitzen Nachbarinnen auf einer Bank an der Plaça, schnippen Olivenkerne zur Seite und tauschen Rezepte aus. Kinder rollen Fahrräder vorbei, ein Hund schüttelt sich, und irgendwo bringt ein Motorrad frisches Brot. So entstehen Verbindungen, die im Alltag einen Halt geben, weit wichtiger als ein Rezeptbuch allein.
Rahn-Hubers Ansatz lässt sich leicht ausprobieren: öfter die Treppe nehmen, das Gemüse vom Markt probieren, sich einer kulturellen Gruppe anschließen oder ein kleines Projekt anfangen. Nichts davon kostet viel, und vieles bringt sofort Lebensqualität. Ihre Haltung ist klar: Langlebigkeit ist kein Geheimrezept, sondern Summe kleiner Entscheidungen und der Mut, das Leben nicht in Verbote zu pressen. Das kann auf Mallorca funktionieren – nicht als Esoterik, sondern als umsetzbare Lebensführung.
Am Ende bleibt ein Gefühl, das die Inselbewohner kennen: Eine Mischung aus Ruhe und Aktivität, aus Genuss und Mühe. In diesem Alltag, sagt Rahn-Huber, findet sich die Chance, länger gesund zu bleiben – und dabei auch das Leben zu genießen. Eine Einladung, die nicht groß protzt, aber sehr mallorquinisch klingt: Leben, atmen, ein Glas Wein zulassen und trotzdem in Bewegung bleiben.
Häufige Fragen
Warum gilt Mallorca für viele als guter Ort für ein gesundes, langes Leben?
Wie warm ist Mallorca für einen aktiven Urlaub oder Alltag im Freien?
Kann man auf Mallorca im Alltag gesund essen, ohne streng zu verzichten?
Welche Aktivitäten halten auf Mallorca im Alter fit?
Was ist Andratx auf Mallorca für ein Ort?
Was kann man in Palma machen, wenn man kulturelle Treffen sucht?
Was bedeutet Ikigai und warum passt die Idee zu Mallorca?
Lohnt sich ein Leben auf Mallorca eher mit Ruhe oder mit viel Aktivität?
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