Invasive Wespen auf Mallorca: Wie groß ist die Gefahr und was können wir tun?

Invasive Wespen auf Mallorca: Wer stoppt das Summen?

Asiatische und Orientalische Wespen bauen Kolonien auf der Insel auf. Leitfrage: Reichen Fallen und Meldetelefone? Ein Reality-Check mit konkreten Schritten für Nachbarn, Imker und Behörden.

Invasive Wespen auf Mallorca: Wer stoppt das Summen?

Leitfrage: Reichen die aktuellen Maßnahmen und die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger, um eine neue Plage zu verhindern?

In den letzten Wochen haben Teams der Überwachungskampagne mehrere Nester invasiver Wespen gefunden und entfernt. Auf Mallorca wurden in diesem Jahr bisher fünf Nester der Asiatischen Wespe (Vespa velutina) entdeckt; hinzu kommen zwei Nester der Orientalischen Wespe (Vespa orientalis). Auf den Balearischen Inseln insgesamt summt die Statistik: acht Nester entfernt, dazu ein Fund auf Ibiza. Die Einsätze fallen in eine Phase, in der die Kolonien ihre Aktivität im Sommer erreichen.

Klingt nüchtern. Auf der Plaça Cort in Palma allerdings, an einem windstillen Vormittag, hört man mehr als nur Fußgänger: Immer wieder ein scharfes, hohes Brummen, das von einem Trafokasten neben dem Markt zu kommen scheint. Gärtner an der Avenida Gabriel Roca erzählen, sie hätten ungewöhnlich große Wespen an Bougainvillea und in Müllcontainern gesehen. Solche Alltagsszenen sind es, die die Behörden veranlasst haben, die Bevölkerung um Hilfe zu bitten – per WhatsApp an 606 875 244 oder über die Meldeseite www.lineaverdecofib.es.

Kurz analysiert: Die Behörden setzen in der Saison auf zwei Taktiken. Im Frühjahr wurden viele Fallen aufgestellt (381 zwischen März und Mai) und Gründerköniginnen gefangen; im Hochsommer schauen Teams gezielt nach Sekundärnestern. Das ist fachlich sinnvoll: Wird eine junge Königin früh erwischt, entsteht keine Kolonie mit Tausenden Arbeiterinnen. Doch der Knackpunkt liegt tiefer.

Was fehlt im öffentlichen Diskurs? Erstens: eine transparente Karte der Fundorte auf Gemeindeebene, damit Nachbarn und Imker in konkreten Straßenzügen besonders wachsam sein können. Zweitens: klarere Hinweise für Laien, wie ein Nest aussieht und wie man sich verhält – nicht nur Telefonnummern, sondern praktische Schritte, die die Gefahr für Menschen und für die Bekämpfer reduzieren. Drittens: langfristige Unterstützung für Imker, deren Völker durch Jagdverluste bedroht sind; derzeit wird das Problem eher als Blitzaktion denn als dauerhaftes Risiko behandelt.

Ein einfacher Vergleich: 2015 wurde die Asiatische Wespe erstmals auf der Insel gefunden, zwischen 2015 und 2018 breitete sie sich schnell aus, woraufhin intensive Maßnahmen folgten. Danach gab es Jahre ohne Funde, bis 2021 wieder ein Nest in Marratxí nachgewiesen wurde. 2024 und 2025 wurden je 21 Nester entfernt. Die Zahlen zeigen Muster von Rückkehr und Ausbrüchen – kein einmaliges Ereignis.

Was kann jetzt praktisch getan werden? Konkrete Vorschläge für drei Gruppen:

Für Anwohnerinnen und Anwohner: Nester nicht selbst entfernen; gefundenes Nest umgehend melden; Fotos aus sicherer Entfernung machen; Mülltonnen und reifes Obst sichern, denn Futterquellen locken Arbeiterinnen an.

Für Imkerinnen und Imker sowie Landwirtinnen und Landwirte: vernetzte Beobachtungsgruppen bilden, Sammelmeldungen an die Gemeindeverwaltung weiterleiten; Schutzvorrichtungen an Ständen prüfen; Notfallpläne für Pollination organisieren.

Für Behörden und Gemeinden: Fundorte anonymisiert auf einer Karte veröffentlichen; gezielte Informationsstände auf Wochenmärkten (Mercat de l'Olivar, Sineu) anbieten; Entsorgungsregelungen verschärfen, um offene Lebensmittelreste zu vermeiden; finanzielle Entschädigungen für geschädigte Imkereien prüfen.

Ein weiterer Hebel: die Kontinuität der Fallen- und Nestüberwachung. Die Fänge von 22 Asiatischen Wespen in Frühjahrsfallen zeigen, dass das Monitoring funktioniert, aber Nachverfolgung und Kapazitäten für das Auffinden von Sekundärnestern müssen aufrechterhalten werden. Teams sollten mit Ortskenntnis arbeiten – wer kennt die Hanglagen in Banyalbufar besser als die Gärtner, wer die alten Scheunen in Felanitx besser als die Nachbarn?

Was oft übersehen wird: auch Kulturelles spielt eine Rolle. Auf Dörfern wie Campanet ist der Respekt vor Haus- und Gartenstrukturen groß; dort können lokale Freiwilligengruppen helfen, Aufmerksamkeit zu schärfen, ohne Panik zu verbreiten. Sensible Kommunikation verhindert, dass jemand ein Nest gewaltsam entfernt und sich selbst sowie andere in Gefahr bringt – wie Fälle zeigen, in denen eigenmächtiges Handeln zu Unfällen führte.

Kurz gesagt: Die Bekämpfung braucht Präzision, Dauer und ein Netz aus Profis und aufmerksamen Nachbarn. Noch besser wäre eine klare Verantwortungsaufteilung zwischen Gemeinde, Inselregierung und landwirtschaftlichen Verbänden – ohne das verlagert sich das Problem ständig von einem Jahr aufs nächste.

Fazit: Die aktuellen Funde sind Warnsignale, kein Naturgesetz. Wer an einem heißen Nachmittag am Strand von Cala Major eine ungewöhnlich große Wespe im Wasser sieht, sollte nicht versuchen, sie mit einem Handtuch zu erledigen, sondern die Beobachtung melden. Je mehr strukturierte Meldungen und je besser die Koordination, desto größer die Chance, dass das Summen kein Dauerzustand wird.

Häufige Fragen

Welche Arten invasiver Wespen treten auf Mallorca auf und wie gefährlich sind sie?

In Mallorca wurden Vespa velutina (Asiatische Wespe) und Vespa orientalis (Orientalische Wespe) nachgewiesen. Beide Arten bilden Nester, deren Ausbreitung die Insel erreichen kann, besonders im Sommer. Sie können im Umfeld von Menschenstädten gefährlich werden, weshalb Nester nicht eigenständig entfernt werden sollten.

Wie melde ich ein Nest invasiver Wespen auf Mallorca?

Nestmeldungen können über WhatsApp 606 875 244 oder die Meldeseite lineaverdecofib.es erfolgen. Nester sollten nicht selbst entfernt werden; geben Sie sichere Abstände ein und idealerweise Fotos aus sicherer Entfernung an. Vermeiden Sie Food-Quellen in der Nähe, um Anlocken zu vermeiden.

Was soll ich als Anwohner tun, um Wespenprobleme zu vermeiden?

Nester nicht eigenhändig entfernen. Gefundenes Nest umgehend melden. Fotos aus sicherer Entfernung machen und Mülltonnen sowie reifes Obst sichern, um Futterquellen zu reduzieren.

Welche Maßnahmen setzen Behörden gegen die Wespen ein?

Es gibt eine Kombination aus Frühjahrsfallen zur Gefangennahme von Königinnen und im Hochsommer gezielte Suche nach Sekundärnestern. Das Monitoring wird fortgeführt, und die Zusammenarbeit mit Gärtnern, Imkern und Landwirten soll die Reichweite verbessern.

Welche Reisezeit ist für Mallorca im Bezug auf Wespen besonders kritisch?

Die Wespenaktivität erreicht in der Sommersaison ihren Höhepunkt; Reisende sollten besonders wachsam sein und Meldungen unterstützen, wenn sie Wespen beobachten. Nester in der Nähe von belebten Bereichen können vermehrt auftreten.

Welche Rolle spielen Imker und Landwirte in der Bekämpfung der Wespen?

Imkerinnen und Imker bilden vernetzte Beobachtungsgruppen, melden Fundstellen an die Gemeinde weiter, prüfen Schutzvorrichtungen an Ständen und entwickeln Notfallpläne für die Pollination.

Gibt es eine öffentliche Karte der Fundorte und wie sieht die Kommunikation aus?

Eine Karte der Fundorte auf Gemeindeebene wird angedacht, mit anonymisierten Einträgen zur sicheren Weitergabe von Informationen. Wichtig bleibt eine regelmäßige, strukturierte Meldung durch Bürgerinnen und Bürger, damit Behörden gezielt handeln können.

Gibt es Informationsangebote an Märkten oder anderen Orten, die über Wespen aufklären?

Ja, Informationsstände zu Wespen sind auf Wochenmärkten wie dem Mercat de l’Olivar in Palma oder in Sineu vorgesehen. Dort erhalten Besucher Informationen zu Meldwegen und präventiven Verhaltensweisen.

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