ITV-Chaos auf Mallorca: Ummeldungen stocken – Autos stehen still

ITV-Chaos auf Mallorca: Wenn Ummelden das Auto stilllegt

ITV-Chaos auf Mallorca: Wenn Ummelden das Auto stilllegt

Hunderte Residenten stecken fest: Übergangskennzeichen verfallen, Termine für die Bauratabnahme fehlen monatelang. Wer korrekt handelt, bleibt oft ohne fahrbaren Untersatz. Eine Bestandsaufnahme mit Leitfrage, Alltagsszene und konkreten Lösungsansätzen.

ITV-Chaos auf Mallorca: Wenn Ummelden das Auto stilllegt

Leitfrage: Warum behindert die aktuelle Abwicklung von Ummeldungen auf Mallorca Leute, die korrekt handeln wollen?

Am Morgen vor einer ITV-Station irgendwo auf der Insel: Gestoria-Vans parken, ein paar Residenten rauchen nervös vor dem Eingang, eine Guardia-Civil-Pkw fährt langsam vorbei. Auf der Promenade von Palma, am Passeig Mallorca, klingelt ein Telefon nach dem anderen – Gestores und Autohäuser versuchen vergeblich, Termine zu bekommen. Es ist dieser ganz normale Verwaltungs-Alltag, der gerade aus dem Ruder läuft.

Fakt ist: Zahlreiche Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen sind korrekt zur Ummeldung angemeldet, die Anträge laufen – und trotzdem dürfen die Autos wegen fehlender Bauratabnahmen nicht bewegt werden. Dienstleister berichten von rund 500 offenen Fällen, der älteste Antrag datiert auf den 29. Mai 2025. Einzelne Betroffene wie der Leser Jan B. warten seit Monaten: Übergangskennzeichen, die im September ausgestellt wurden, sind längst abgelaufen; Verlängerungen werden nicht mehr genehmigt.

Warum ist das so? Ende 2024/Anfang 2025 änderte sich die Zuständigkeit für die formelle Erstaufnahme technischer Daten: Die Aufgabe wanderte von privaten ITV-Betrieben zum Inselrat. Zeitgleich verschärfte die Verkehrsbehörde die Kontrollen ausländischer Kennzeichen und die Guardia Civil erhöht die Präsenz. Ergebnis: Mehr Nachfrage, weniger Kapazität. Dazu kam die Umstellung auf ein digitales Antragsverfahren – das momentan für Dienstleister wie für Bürger wenig transparent wirkt.

Die Folgen sind handfest: Menschen stehen vor der Wahl, ihr Eigentum unbenutzt stehen zu lassen oder das Risiko von Strafen und Stilllegung einzugehen. Bußgelder können beträchtlich sein, im Extremfall droht sogar die Stilllegung des Fahrzeugs. Für Firmen mit Geschäftsfahrzeugen auf der Insel bedeutet das wirtschaftliche Einbußen. Das Problem trifft also nicht nur Formalien, sondern Alltag, Arbeit und Mobilität.

Woran hapert es im öffentlichen Diskurs? Es fehlt an klaren Zahlen zur Bearbeitungskapazität des Inselrats, an Transparenz im digitalen Terminsystem und an einer nachvollziehbaren Priorisierung von Fällen, die bereits vollständig eingereicht sind. Ebenso wenig wird öffentlich diskutiert, ob die Guardia Civil ihre Kontrollen so ausrichtet, dass laufende, korrekt beantragte Verfahren nicht kontraproduktiv bestraft werden.

Eine weitere, selten erwähnte Dimension ist die soziale: In vielen Familien ist das Auto nicht Luxus, sondern notwendig für Arbeit, Arztbesuche und Einkäufe in den Außenbezirken. Wenn in Son Verí oder auf dem Land ein Wagen monatelang stillsteht, trifft das ältere Anwohner und Pendler besonders hart. Das wird in der Rhetorik der Behörden kaum sichtbar.

Was jetzt pragmatisch zu tun wäre, lässt sich in einer kurzen Liste zusammenfassen: 1) Sofortige Einrichtung eines temporären Pooles von Ingenieuren beim Inselrat, um den Rückstand abzuarbeiten. 2) Klare, automatisierte Bestätigungen im digitalen System, die den Status des Vorgangs für Antragsteller und Dienstleister sichtbar machen. 3) Übergangsregel: Verlängerung der grünen Schilder für Fälle mit vollständig eingereichten Unterlagen, bis die Bauratabnahme erfolgt. 4) Mobile Prüfstellen auf Tour in stark belasteten Zonen. 5) Absprachen zwischen Guardia Civil und Inselrat, dass bei Kontrollen laufende, nachweislich beantragte Ummeldungen berücksichtigt werden.

Praktisch könnte das so aussehen: Wer die Bestätigung einer Gestoria oder eine offizielle Eingangsnummer des Inselrats im Handschuhfach hat, bekommt bei Verkehrskontrollen ein Protokoll statt eines Bußgeldbescheids; das Protokoll verpflichtet die Behörde, binnen einer Frist zu reagieren. Solche Zwischenlösungen schützen Bürgerrechte, ohne Kontrollen zu untergraben.

Was Politiker und Verantwortliche bislang zu wenig sagen: Zuständigkeitswechsel müssen mit Personalaufstockung und klaren Übergangsregeln einhergehen. Eine Reform, die Kapazitäten reduziert oder Abläufe verkompliziert, ist realweltlich kaum akzeptabel. Der Ruf nach Effizienz darf nicht dazu führen, dass korrekt handelnde Leute für administrative Pannen zahlen müssen.

Eine Alltagsszene zum Schluss: Auf dem Parkplatz einer Gestoria in Son Verí steht ein Mini Cooper, sauber wie am ersten Tag. Der Besitzer sitzt im Café gegenüber, trinkt einen Café cortado und überprüft wieder die E-Mails. Er hat alles eingereicht, die Stunde seiner Mobilität tickt aber weiter. Dieses Bild ist kein Einzelfall – und es müsste den Verantwortlichen jeden Morgen als Weckruf dienen.

Fazit: Das derzeitige Durcheinander ist kein kleiner Fehler, sondern ein Systemproblem. Wer in einem EU-Land korrekt ummeldet, darf nicht durch fehlende Termine oder intransparente digitale Prozesse faktisch enteignet werden. Wenn Inselrat, DGT und Guardia Civil nicht sofort praktikable Zwischenregelungen und mehr Personal organisieren, bleiben Hundertschaften immobilisierte Fahrzeuge und viele frustrierte Menschen zurück. Politik und Verwaltung müssen jetzt liefern – und zwar sichtbar, nachvollziehbar und schnell.

Für Dich gelesen, recherchiert und neu interpretiert: Quelle

Ähnliche Nachrichten