Art District Palma: Mode und Nachbarschaft auf der Carrer de Siquier

La Soledat wird Laufsteg: Art District Palma bringt Glamour in die Carrer de Siquier

La Soledat wird Laufsteg: Art District Palma bringt Glamour in die Carrer de Siquier

Eine ehemalige Fabrikhalle an der Carrer de Siquier 24 wurde am Samstagabend für kurze Zeit zum Modetreff: Internationale Designer, ungewöhnliche Models und Nachbarn auf den Balkonen sorgten für einen besonderen Abend in La Soledat.

La Soledat wird Laufsteg: Art District Palma bringt Glamour in die Carrer de Siquier

Aus der Fabrikhalle in Palma ein Ort für Mode, Musik und Nachbarschaftsneugier

Als die Sonne hinter den Flachdächern von La Soledat verschwand und ein milder Abend mit ungefähr 23 °C über Palma lag, verwandelte sich die unscheinbare Carrer de Siquier 24 für ein paar Stunden. Aus einer alten Fabrikhalle wurde ein Laufsteg. Aus der ruhigen Straße ein Ort mit rotem Teppich, Sektgläsern und DJ‑Beats. Man hörte das Klirren der Gläser, weit entfernt das Tuckern eines Linienbusses und auf den Balkonen rieben sich Anwohner verwundert die Augen – hier fand ein Modeabend statt, der anders war als die üblichen Premieren.

Initiator des Projekts war der Veranstalter Vicente Berlin, der die Halle mit Kunstlicht, Pflanzen und einem handgemachten Set so verwandeln ließ, dass Industriecharme und Couture sich begegneten. Rund 120 Gäste verfolgten eine Show mit etwa 30 Models und mehreren Designern. Zu sehen waren Einzelstücke aus Ateliers, Arbeiten einer Designerin aus Mosambik und Kollektionen einer mallorquinischen Couturière. Vieles war in hellen Tönen gehalten, viel Haut wurde gezeigt; Schnitte, die Sommer versprechen.

Vieles an dem Abend fühlte sich lokal an: die Jamón‑Platten auf langen Tischen, Gespräche auf mallorquinisch‑spanischem Mischdialekt, ein DJ, der bekannte und neue Tänze anspielte. Gleichzeitig gab es internationale Akzente: Gäste aus dem Ausland, Models verschiedener Körpertypen, Plus‑Size‑ und Transgender‑Modelle fanden ihren Platz auf dem Catwalk. Diese Mischung sorgte dafür, dass die Veranstaltung nicht nur als Schaulaufen verstanden wurde, sondern als Plattform für Vielfalt.

Bekannte Gesichter fanden den Weg in das Viertel. Manche schlenderten barfuß auf der Dachterrasse der Halle und schauten auf die enge Nachbarschaft, andere posierten mit Hunden und Taschen. Die Rooftop‑Szene war angenehm entspannt: Gespräche über Stoffe und Schnitte mischten sich mit dem Blick auf Satellitenschüsseln und Wäschespinnen der umliegenden Häuser – ein Kontrast, der an diesem Abend fast wie Absicht wirkte.

Für die Modebranche auf der Insel sind solche Events mehr als ein Foto‑Happening. Sie öffnen Räume für Handwerk, bringen Aufmerksamkeit zu lokalen Labels und schaffen Kontakte zwischen Gestaltern, Einkäufern und Kreativen. Eine Mallorquinerin, die zufällig mit dem Einkaufstrolley vorbeiging, blieb stehen, sah zu und sagte, sie habe noch nie etwas Derartiges in ihrer Straße erlebt. Genau diese Neugier ist Gold wert: Sie weckt Interesse bei Menschen, die sonst nicht in Mode‑Newsletter eingetragen sind.

Die Abendstimmung zeigte auch, wie Urbanes neu genutzt werden kann. Statt leerer Hallen als Problem zu sehen, wurden sie zur Bühne für Kultur und Wirtschaft. Lokale Cafés, ein kleines Catering aus der Nachbarschaft und ein paar Handwerker profitierten vom Laufpublikum. Kurze Wege, unkomplizierte Helfer – das ist ein Vorteil gegenüber großen Hallen weit außerhalb der Stadt.

Ein Blick nach vorn: Die Macher kündigten bereits eine Kooperation mit einem lokalen Kino an – voraussichtlich im Frühsommer wird es ein weiteres Event geben, das Film und Fashion verbindet. Solche Ideen sind Inspiration für Veranstalter, Gastronomen und Designer gleichermaßen: Wer die Insel zu einem Kulturraum machen will, denkt in kleinen Schritten und nutzt vorhandene Orte neu.

Am Ende des Abends blieben die Lichter an der Carrer de Siquier noch lange an. Die Balkone waren wieder leer, die DJ‑Box war eingepackt, und die Nachbarschaft roch nach Olivenöl und abgekühltem Asphalt. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Abend, an dem La Soledat kurz ein anderer Ort war: ein Laufsteg, auf dem Mode und Nachbarschaft nebeneinander existierten – und in dem viele zum ersten Mal gesehen haben, wie nah Kreativität und Alltag auf Mallorca beieinanderliegen.

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