Nit de l'Art 2025: Palma zwischen Glanz und Gedränge

Nit de l'Art 2025: Palma zwischen Galerieglanz und Gedränge

Die Nit de l'Art verwandelte Palma in eine laute, lebendige Galerie — doch der Jubel wirft Fragen auf: Wie bleibt Kunst zugänglich, ohne dass die Stadt im Menschenstrom versinkt?

Wenn die Stadt zur Galerie wird – und wo es klemmt

Es war so ein Sommerabend, an dem die Hitze des Tages noch wie ein wolliger Mantel lag: warm, trockene Luft, das Zirpen der Klimaanlagen im Hintergrund und die fernen Bässe aus einem Café an der Plaça Major. Die Nit de l'Art 2025 hat Palma wieder in ein offenes Museum verwandelt. Die Eingänge füllten sich ab Einbruch der Dämmerung, die Gässchen wurden enger, und wer dachte, er könne gemütlich durchspazieren, wurde bald Teil eines gemächlichen Menschenstroms.

Doch die Leitfrage bleibt

Wie kann Palma die Nit de l'Art offen und lebendig halten – ohne dass die Stadt unter dem Andrang leidet? Das Fest funktioniert, weil es heterogen ist: Studierende, Touristinnen, Residents, Galeristen und Politikerinnen mischen sich auf der Carrer de Sant Feliu oder vor der Lonja. Aber genau die Mischung bringt Probleme mit sich, die in der hübschen Erzählung selten auftauchen.

Was man deutlich spürte

In der neuen Galerie Bibi + Reus City begann der Abend mit Arbeiten von Maite und Manuel; bekannte Gesichter wie Marga Prohens, Llorenç Galmés und Jaime Martínez schauten vorbei. Das ist nett, gibt Pressebilder her – und nimmt manchmal den Platz weg, den die jungen Künstlerinnen dringend brauchen. An den großen Häusern wie Kewenig, Gerhardt Braun oder Xavier Fiol war kaum ein Zentimeter zu ergattern. Ein Galerist grinste: „So voll habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen.“

Die andere Seite: Die kleinen Orte

Gleichzeitig gibt es Ecken, die fast leer bleiben. Casal Solleric bildete eine lange Schlange, während kleinere Pop-ups in Seitengassen kaum wahrgenommen wurden. Die ADEMA-Studierenden präsentierten noch feuchte Pinselstriche, fragil und nahbar — doch vielen fehlte die Zeit, stehenzubleiben. La Misericòrdia war Bühne und Treffpunkt für Konzerte, vor dem Aljub standen Installationen, und im Es Baluard sammelten sich Gruppen, um über Miró zu diskutieren. Solche Szenen zeigen, wie viel Kunst in der Stadt steckt – aber auch, wie sie ungleich verteilt gesehen wird.

Wen wir zu selten fragen

In der öffentlichen Debatte bleibt oft außer Acht, was Anwohnerinnen und Ladenbesitzer denken, die an solchen Abenden nicht feiern, sondern managen: Müll, Lieferengpässe, Lärm bis spät in die Nacht. Ebenso selten werden die kleineren Galerien finanziell und logistisch bedacht, die an Nachmittagen öffnen und für die Nit de l'Art ihre ganze Woche planten – mit unterschiedlichem Erfolg.

Konkrete Vorschläge statt guter Absichten

Ein paar Ideen, die nicht nur hübsch klingen, sondern helfen könnten: zeitgesteuerte Routen (für eine bessere Verteilung), längere Öffnungszeiten an mehreren Tagen (Entzerrung statt Verdichtung), ein digitales Besucher-Heatmap-System, das live zeigt, wo Platz ist, und ein Kartenformat mit thematischen Strecken (Studentenroute, Klassiker, Neue Szene) könnten Entspannung bringen. Öffentliche Sitzinseln, zusätzliche Toiletten und mehr temporäre Servicepunkte würden die Aufenthaltsqualität heben. Und ein kleiner Fonds für die Untermieter in Nebenstraßen könnte sicherstellen, dass nicht nur die großen Namen profitieren.

Was bleibt

Am Ende war da trotzdem dieses warme, kollektive Ausatmen: Menschen, die diskutierten, lachten, sich ein Glas teilten und vor einer Leinwand ernsthaft debattierten. Solche Nächte machen Palma lebendig. Die Nit de l'Art ist kein exklusives Event, sondern eine städtische Feier. Aber wenn Palma will, dass sie das bleibt, braucht es mehr als die gute Absicht und Prominentenbesuche: Planung, Fairness und ein bisschen Mut, neue Formate auszuprobieren.

Wer an der Plaça la Lonja stehenblieb, hörte ältere Stimmen, die über früher und heute stritten; in der Luft mischte sich Druckertinte aus den Katalogen mit dem Duft von gebratenem Streetfood. Das ist Mallorca: laut, manchmal chaotisch, immer echt. Und mit etwas Umsicht könnten die lauten Abende der Nit de l'Art noch besser für alle werden.

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