
Kein Einstieg nach Palma: Ryanair stoppt Betrunkene am Allgäu-Airport
Am Nachmittag wurde einer Frau am Flughafen Memmingen der Einstieg in einen Ryanair-Flieger nach Palma verweigert. Der Vorfall wirft Fragen nach Zuständigkeiten, Sicherheitsregeln und praktikablen Lösungen für gestrandete Urlauber auf.
Vorfall am Allgäu-Airport: Wer entscheidet über das Boarding?
Am späten Donnerstagnachmittag, neben Gate A12, wurde das Treiben in der Abflughalle kurz laut: Stimmen, Schritte, das Klappern von Trolley-Rädern und ein deutlich erhöhter Puls bei einigen Wartenden. Ein Ryanair-Crewmitglied zog eine Frau aus dem Boardingbereich zurück. Der Pilot hatte offenbar das Einsteigen verweigert – mit Hinweis auf Vorschriften, die offensichtlich alkoholisierten Reisenden den Transport untersagen.
Für die Frau endete damit der Weg nach Mallorca schon vor dem Start. Einige Reisende machten Fotos, andere tranken ihren Kaffee langsamer, als würde man auf eine Szene in einem Film warten, die nicht aus dem Alltag gestrichen werden kann. Die Sicherheitsleute schritten ein, es folgten kurze, klare Anweisungen. Dann ging die Frau zur Polizeiinspektion Mindelheim, um sich zu beschweren. Die Beamten erklärten ihr ruhig: Die Entscheidung über die Beförderung treffe die Fluggesellschaft.
Die zentrale Frage: Sicherheit oder Service – wer hat das letzte Wort?
Das ist die Kernfrage, die dieser Vorfall stellt: Wer trägt Verantwortung, wenn ein Gast am Gate bleibt statt zu fliegen? Für Crew und Pilot ist die Antwort klar: Sicherheit geht vor. In der Praxis heißt das, ein Kapitän kann Passagiere aus Gründen der Sicherheit verweigern. Für Betroffene ist das ärgerlich bis existenziell – besonders im Sommer, wenn Verbindungen Richtung Mallorca dicht sind und jeder ausgefallene Flug Urlaubstage kostet.
Wenig beleuchtet bleibt, wie solche Entscheidungen vor Ort ablaufen: Welche Kriterien gelten konkret für "erkennbar alkoholisiert"? Wer dokumentiert das, und welche Alternativen bietet der Flughafen für gestrandete Passagiere? Bei hohen Passagierzahlen wie im Sommerflugplan 2025 am Allgäu-Airport werden diese Einzelfälle schnell zu organisatorischen Problemen.
Konsequenzen, die kaum besprochen werden
Wenn jemand das Boarding verwehrt wird, folgen oft Stunden der Ungewissheit: Neu buchen oder Rückfahrt organisieren? Kosten für ein neues Ticket, Übernachtungen in Hotels, verpasste Urlaubs- oder Arbeitstage. Die Polizei vor Ort kann rechtlich nicht zwingend eingreifen, und die Airline beruft sich auf ihre Beförderungsbedingungen. Das ist korrekt – aber wenig hilfreich für die Person, die plötzlich ohne Flug dasteht.
Besonders empfindlich ist das Verhältnis zwischen Sicherheitspersonal und Passagieren. Eine gewaltfreie Deeskalation erfordert geschulte Mitarbeiter, Zeit und zumeist eine ruhige Umgebung. Am gate, mit Durchsagen, rollenden Koffern und sengender Nachmittagswärme – das ist schwer. Das zeigt, dass Prävention und Prozessführung vor dem Gate mehr zählen als reine Regelbefolgung.
Was in der öffentlichen Diskussion oft fehlt
Öfter wird über Schlagzeilen berichtet als über praktikable Lösungen. Es fehlt an verbindlichen Abläufen für den Fall, dass ein Passagier nicht befördert wird: Wo kann er sich beschweren? Wer unterstützt bei der Weiterreise? Gibt es einen Plan für Hilfsangebote an Flughäfen mit vielen Ferienflügen nach Mallorca?
Ein weiterer, kaum besprochener Punkt: Alkoholabgabe im Terminal. In einigen Abflugbereichen locken Bars und Duty-Free-Stände. Für Menschen, die ihre Reise antreten, ist das ein doppelter Reiz – für Personal aber ein Risiko. Eine Balance zwischen Service und Prävention wäre hier sinnvoll.
Konkrete Ansätze statt Schulterzucken
Praktische Lösungen gibt es, manche kosten wenig, andere brauchen Organisation: bessere Informationsschilder an Check-in und Gate über Alkoholregeln; frühzeitige Alkoholchecks bei Check-in statt erst am Gate; feste Protokolle zur Dokumentation von Vorfällen; prioritär eingerichtete Servicepunkte für betroffene Passagiere mit Informationen zu Umbuchung, Hotels und Taxipreisen.
Auch Crew- und Sicherheits-Training in Deeskalation und Kommunikation kann Spannungen reduzieren. Kleine Maßnahmen wie sofort verfügbares Informationsmaterial auf Deutsch, Englisch und Spanisch würden vielen Menschen helfen, die plötzlich vor dem Nichts stehen – und Mallorca-Urlauber vor peinlichen, vermeidbaren Situationen bewahren.
Blick nach Mallorca und weiter
Für Reisende bleibt die einfache Regel: Am Gate nüchtern erscheinen und alle Papiere parat haben. Das erspart Ärger, eine verpasste Fähre oder eine überstürzte Taxifahrt zurück in die Stadt. Für Flughäfen und Airlines aber ist der Vorfall in Memmingen ein kleiner Weckruf. Im geschäftigen Sommerbetrieb mit täglichen Verbindungen nach Palma muss nicht nur das Boarding flott laufen, sondern auch der Umgang mit Ausnahmen.
Am Ende geht es um Vertrauen: Reisende wollen sicher und planbar ans Ziel, Personal will Verantwortung übernehmen, ohne in Situationsnot geratene Menschen im Stich zu lassen. Ein paar klare Regeln, bessere Kommunikation und pragmatische Hilfsangebote könnten die nötige Brücke schlagen – damit Mallorca-Urlaube dort beginnen, wo sie sollen: entspannt und ohne Zwischenfall.
Tipp aus der Redaktion: Wer von Memmingen nach Palma fliegt, checkt lieber zweimal die Bordkarte, den Rucksack – und das Getränk vor dem Gate.
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