Palma plant 131 Parkplätze auf ehemaligem Lluís Sitjar – Entlastung oder Verlagerung?

Vom Lluís Sitjar zum Parkplatz: Palma plant 131 Stellplätze – Entlastung oder Verlagerung?

Die Stadt Palma plant auf dem ehemaligen Lluís Sitjar-Gelände 131 Parkplätze, Grünflächen und soziale Einrichtungen. Das Projekt wirft Fragen zur Verkehrsentwicklung, Klimaanpassung und Nachbarschaftsbeteiligung auf — Chancen und Fallstricke liegen dicht beieinander.

Aus dem alten Stadion wird Stadtraum: 131 Parkplätze, aber zu welchem Preis?

Am frühen Vormittag weht ein kühler Wind über die Brachfläche des ehemaligen Lluís Sitjar. Auf der einen Seite Hörner der Busse, von der Straße Ramón Picó y Campamar das gleichmäßige Rollen der Autos, auf der anderen Jogger, die weiterhin ihre Runden drehen. In dieser Mischung aus Ruhe und Verkehr plant die Stadt Palma, hier 131 Parkplätze anzulegen — dazu ein Stück Grün, eine Sporthalle und Räume für Pflegeeinrichtungen. Klingt nach pragmatischer Nutzung. Nur: Was genau ist der Plan hinter den Linien auf dem Papier? Luis‑Sitjar: Palma plant Sport, Wohnungen und mehr Grün – aber reicht das?

Die zentrale Frage: Entlastung oder Verlagerung?

Die Stadt spricht von verbesserter Zugänglichkeit und weniger Druck auf bestehende Parkflächen. Doch die Kernfrage bleibt: Werden 131 Stellplätze die Parkplatznot nachhaltig lindern — oder verlagern sie das Problem nur in dieses Viertel und erzeugen mehr Verkehr? Der Entwurf sieht vor, etwa ein Viertel der rund 30.000 Quadratmeter als Grünzone zu bepflanzen und an den geplanten Stadtwald der ehemaligen Tirador-Radrennbahn „anzudocken“. Das ist ein positives Element. Aber allein Bäume zu pflanzen, stoppt noch keine Autos.

Was auf dem Papier oft fehlt

Bei Planungen wie dieser bleiben oft Details außen vor: Wie viele der neuen Parkplätze werden öffentlich, wie viele für Kliniken, Anwohner oder Besucher reserviert? Werden sie kostenpflichtig sein, zeitlich begrenzt oder dauerhaft kostenlos? Parken, das kostenlos und leicht erreichbar ist, schafft Anreize zum Auto — genau das Gegenteil von einer verträglichen, nachhaltigen Stadtentwicklung. Ähnliche Herausforderungen wurden bereits im Artikel Portixol neu denken: Mehr Grün, weniger Parkplätze – aber zu welchem Preis? behandelt.

Auch die versiegelte Fläche spielt eine Rolle. Asphalt ohne durchlässige Schichten erhöht Oberflächentemperaturen und Regenabfluss. Das kann in sommerlichen Hitzeperioden und bei intensiven Regenfällen lokal spürbare Folgen haben. Die kleine Aufforstung wirkt zwar gut in Renderings, wirkt aber nur dann klimagerecht, wenn bei der Wahl der Materialien, Baumsorten und Bewässerung clever gedacht wird.

Nachbarschaft zwischen Hoffen und Befürchten

Beim Spaziergang treffe ich eine ältere Frau an der Bushaltestelle, die sich mehr Besucherparkplätze für die nahe Klinik wünscht. Ein junger Vater äußert Sorge über mehr Verkehr und Lärm. Solche Stimmen treffen sich im Zwischenraum: pragmatische Bedürfnisse versus das Lebensgefühl einer Wohngegend. Öffentliche Anhörungen sind geplant — sie müssen mehr sein als reine Informationsveranstaltungen. Sonst bleibt es bei einer Top-down-Entscheidung.

Konkrete Risiken — und wie man ihnen begegnet

Die Risiken lassen sich benennen: erhöhte Verkehrsströme, mögliche Verdrängung ruhiger Wohnstraßen, Hitzeinselbildung und unklare Nutzungskategorien. Dafür gibt es konkrete Gegenvorschläge:

1. Permeable Flächen statt reiner Versiegelung: Kies, Rasengitter oder spezielle Pflaster verringern Abfluss und Hitze. Das spart spätere Kosten und schafft kühleres Mikroklima.

2. Parkpolitik: Teilweise kostenpflichtige oder zeitlich limitierte Parkzonen, Bewohnerausweise und Reservierungen für Klinikpersonal können Fehlanreize bannen.

3. E-Ladeinfrastruktur & Carsharing: Plätze für E-Fahrzeuge, Ladesäulen und reservierte Flächen für Carsharing reduzieren Emissionen und Flächenbedarf langfristig.

4. Fahrrad- und Fußwege clever integrieren: Schutzstreifen, sichere Querungen und direkte Wege zur Tram/Bushaltestelle machen das Auto oft überflüssig.

5. Grüne Verbindung zum Tirador-Wald: Die geplante Anbindung an den Stadtwald ist Chance und Pflicht: Breitere Baumreihen, heimische Arten und trockenresistente Bepflanzung schaffen echten Mehrwert.

Verfahren und Transparenz

Ein wesentlicher Punkt ist der Prozess: Die Stadt hat das Gelände vollständig übernommen und die Änderung des Bebauungsplans (PGOU) eingeleitet. Das öffnet die Tür für Umnutzungen — und für Bürgerbeteiligung. Entscheidend wird, wie früh und wie ernsthaft Anwohner, Klinikbetreiber, Radverbände und Umweltexpertinnen eingebunden werden. Ein iteratives Verfahren mit Messgrößen (Lärm, Verkehr, Nutzung) und einer Pilotphase würde Risiken mindern.

Ausblick: Mögliches Modellprojekt — wenn man es will

Wird aus dem Lluís Sitjar nur ein großer Parkplatz, ist das eine verpasste Gelegenheit. Wird es aber als multifunktionaler, klimafester Stadtraum gedacht — mit kombinierter Park- und Grünnutzung, Mobilitätsangeboten und sozialer Infrastruktur — kann das Projekt zeigen, wie Palma pragmatisch mit knappen Flächen umgeht. Ein ambitioniertes kleines Experiment: weniger Autos, aber bessere Erreichbarkeit; Bäume, die Schatten spenden; Plätze, die nicht nach zwei Jahren wieder umgenutzt werden. Vergleiche dazu finden sich auch in dem Artikel Sóller will das Parkchaos bändigen: Drei Parkplätze und 300 Anwohnerplätze – reicht das?.

Die Stadtverwaltung hat den formalen Prozess gestartet. Was jetzt zählt, ist die Gestaltung: nicht nur Linien auf einem Plan, sondern klare Regeln, transparente Beteiligung und technische Vorgaben für Klimaresilienz und Mobilität.

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