
Palmas Wasser am Limit: Stauseen fast leer – wie reagieren wir jetzt?
Cúber und Gorg Blau sind kaum mehr als nasse Mulden. Palma ist derzeit versorgt, doch der Puffer ist schmal. Die Leitfrage: Wie lange reicht das noch – und welche Antworten fehlen?
Palmas Wasser am Limit: Stauseen fast leer – wie reagieren wir jetzt?
Letzten Sonntag früh war ich am Gorg Blau. Eigentlich sollte dort der Spiegel des Wassers blinken, stattdessen knirschte Kies unter den Schuhen und irgendwo krächzten Möwen über einer kargen Mulde. Die Zahlen bestätigen das Gefühl: Cúber liegt bei rund 28,56 % Füllstand, Gorg Blau bei knapp 27,68 % – zusammen sind die Speicher Palmas bei etwa 28,25 %. Die zentrale Leitfrage lautet: Wie lange reicht dieses Wasser wirklich, und was tun wir, bevor es zu spät wird?
Kein dramatisches Schwarz-Weiß – aber die Reserve ist dünn
Die gute Nachricht zuerst: Palma ist im Moment noch versorgt. Emaya-Chef Llorenç Bauzà betont, dass akute Rationierungen nicht geplant seien. Dennoch: Versorgung ist in diesem Fall kein Synonym für Überfluss. Die Stadt stützt sich inzwischen auf ein Geflecht von Quellen – Grundwasser, Brunnen, Wiederaufbereitung und Entsalzung – und das ist nicht günstig. Desalinización frisst Energie, und die nächste Stromrechnung wird nicht applaudieren. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel über Mallorca: Stauseen bleiben trotz Regen und Schnee auffällig leer.
Wetterwende, aber kein Rettungsschirm
Der Meteorologe auf den Balearen spricht von einer Atlantikfront, die zu Wochenbeginn etwas Abkühlung und Wolken bringt. Für uns heißt das: ein paar Tropfen, vielleicht ein Nachmittag mit Nieselregen. Die Modelle sagen aber auch klar: Es reicht nicht, um Reservoirs aufzufüllen. Ein paar Regentage sind wohltuend, doch kein Rettungsschirm für ein Inselnetz, das auf regelmäßigen Niederschlag angewiesen ist. Das ist besonders relevant, wenn man bedenkt, dass der Regen oft nicht ausreicht, um die Stauseen wie Gorg Blau und Cúber zu füllen, was in unserem Artikel Regen reichte nicht: Warum Mallorcas Stauseen weiter knapp bleiben ausführlicher thematisiert wird.
Was oft zu kurz kommt
In der öffentlichen Debatte drehen sich viele Worte um Entsalzung und kurzfristige Einsparungen. Weniger beachtet werden drei Punkte: erstens die langfristige Erschöpfung von Grundwasserleitern, die heimlich und schleichend lokale Ökosysteme schwächen; zweitens die versteckten Kosten der Entsalzung – nicht nur in Euro, sondern in CO₂, wenn sie nicht mit erneuerbaren Energien gekoppelt ist; drittens die Nachfrage-Seite: Tourismus, große Hotelanlagen mit Pools und aufwändiger Grünpflege verbrauchen Mengen, die in trockenen Jahren den Unterschied machen. Mehr über die finanziellen und ökologischen Herausforderungen erfahren Sie in Wasserknappheit auf Mallorca: Wenn Gorg Blau und Cúber schrumpfen – ist Palma wirklich vorbereitet?.
Konkrete, sofort umsetzbare Schritte
Panik hilft nicht. Dafür aber klare, konkrete Maßnahmen, die schnell Wirkung zeigen können:
1. Lecksuche und Leitungsmodernisierung: Ein gezieltes Programm, um verlorenes Wasser in den Netzen zu finden und zu dämmen. Jede undichter Kilometerleitung ist verlorenes Potenzial.
2. Intelligente Zähler und Transparenz: Smart-Meter in Haushalten und Hotels, die Verbrauch in Echtzeit anzeigen. Daten helfen zu verstehen, wo tatsächlich gespart wird.
3. Anreize statt nur Verbote: Förderungen für Tropfbewässerung in der Landwirtschaft, Zuschüsse für Regenwassertanks bei Einfamilienhäusern und gestaffelte Tarife, die hohen Verbrauch teurer machen – all das wirkt schneller als reine Appelle.
4. Abwasser-Reinigung und Wiederverwendung: Geklärtes Wasser für Landwirtschaft und öffentliche Grünflächen ist ein Hebel, der sowohl den Verbrauch aus Trinkwasserquellen senkt als auch lokale Landwirtschaft sichert.
5. Entsalzung mit Ökostrom: Wenn schon Desal, dann gekoppelt an Solar- oder Windenergie, möglichst dezentral und mit Speicher, um die Klimabilanz zu verbessern.
Regional unterschiedliche Alarmstufen – das macht Planung schwer
Auf Mallorca gibt es keinen einheitlichen Status: Einige Gebiete sind bereits im Alarmzustand, andere in Voralarm. Artà, das Inseltiefland, Manacor–Felanitx, Palma–Alcúdia und Teile der Tramuntana stehen auf der Beobachtungsliste. Das führt zu lokalen Maßnahmen, die koordiniert werden müssen – gerade weil Wasser fließt nicht nach Verwaltungslinien, sondern nach Geologie und Nachfrage. Das Thema ist besonders dringlich, da die Pegelstände weitere Aufmerksamkeit benötigen; hierzu lesen Sie mehr in Warum Mallorcas Stauseen trotz Regen leer bleiben — ein Reality‑Check.
Alltagstipps, die wirklich zählen
Die üblichen Ratschläge klingen banal, aber in der Summe sind sie wichtig: kürzer duschen, Wasser beim Zähneputzen abdrehen, tropfende Hähne reparieren. Ebenso wirkungsvoll: Grillen und Gärten nicht jeden Abend abspritzen; morgens und gezielt gießen spart mehr. Und ja, der kleine Betrieb in Son Serra de Marina oder die Apartments in Portixol können zusammen mehr sparen, als man denkt.
Blick nach vorn – nicht nur in Panik verfallen
Wenn die kommenden Monate trocken bleiben, wird die Politik nicht um Investitionen herumkommen: mehr Entsalzungs-Kapazität, strengere Regeln für Bewässerung in der Landwirtschaft, aber auch wirkliche Anreize für Wassersparen. Die Westwinde tragen die Entscheidung nicht weg – wir müssen sie treffen. Das bedeutet: lokale Maßnahmen, finanzielle Instrumente und technische Modernisierung gleichzeitig.
Fazit: Palma hat derzeit genug Wasser für den Alltag, doch der Puffer ist schmal. Wer morgens am Gorg Blau unterwegs ist, spürt es: die Stille, das Knirschen, der dünne Wasserspiegel. Die Nadel lässt sich kurzfristig durch Entsalzung und Grundwasseranpassung verschieben – dauerhaft hilft nur ein Bündel aus Technik, Regeln und geänderter Gewohnheit. Die Insel hat Zutaten für die Lösung; jetzt fehlt der konsequente Plan, sie zusammenzukochen.
Ähnliche Nachrichten

Knöllchekette vor Son Espases: Wenn Patienten dem Strafzettel näher sind als dem Sprechzimmer
Rund um das Universitätskrankenhaus Son Espases häufen sich Strafzettel für parkende Patienten und Angehörige. Wer trägt...

Koffer sorgt für Alarm: Was der Vorfall am Flughafen Palma über unsere Sicherheitskultur verrät
Ein zurückgelassener Koffer am Nachmittag löste am Flughafen von Palma das Anti-Terror-Protokoll aus. Warum solche Szene...

Zweiter Tiefststand seit 1974: Weniger Waldbrände auf den Balearen – und was das für Mallorca bedeutet
2025 registrierten die Balearen nur 82 Waldbrände und rund 17 Hektar Brandfläche – der zweitbeste Wert seit Beginn der A...

Neujahrsfreude bis in den Abend: Große Feier am Hafen von Port d'Andratx
Am Neujahrstag verwandelte sich die Hafenpromenade von Port d'Andratx in eine bunte Straßenparty: DJs, eine elektrisiert...

Mutprobe am Meer: Neujahrsbäder auf Mallorca werden zur Insel‑Tradition
Am 1. Januar suchten wieder viele Mallorquiner und Gäste die Strände auf, um das neue Jahr mit einem Sprung ins Meer zu ...
Mehr zum Entdecken
Entdecke weitere interessante Inhalte

Erleben Sie beim SUP und Schnorcheln die besten Strände und Buchten auf Mallorca

Spanischer Kochworkshop in Mallorca
