1.600 km Reinigung für Radfahrer auf Mallorca – reicht das?

1.600 km Straßenränder: Die große Reinigungsaktion für Radfahrer — reicht das?

Der Inselrat reinigt 1.600 Kilometer Straßenränder für mehr Sicherheit von Radfahrern. Eine handfeste Maßnahme — doch reicht sauberer Rand allein?

Mehr als Kehren? Die zentrale Frage: Macht Sauberkeit Radfahren sicherer — dauerhaft?

Wenn der Nebel noch über der Bucht hängt und die ersten Rennräder die Promenade entlangpfeifen, fällt auf: An vielen Kurven liegen Kiesel, Laub und Schmutz wie unsichtbare Stolperfallen. Der Inselrat will nun reagieren: In den nächsten Monaten sollen 1.600 Kilometer Straßenränder auf Mallorca gereinigt werden. Vom breiten Asphalt der MA-13 bis zu den schmaleren Verbindungsstraßen rund um Felanitx oder Sa Pobla — die Kehrmaschinen rollen aus.

Die Zahlen klingen imposant. Auch der Preis wirkt handfest: Rund 300.000 Euro sind eingeplant für Maschinen, kleine Bagger und Teams, die morgens und nachmittags unterwegs sein werden. In Orten wie Inca oder Port de Sóller höre ich Zustimmung mit einem leichten Kopfnicken: Endlich wird an den Ecken gearbeitet, die sonst gerne übersehen werden. Ein weiterer Schritt zu mehr Sauberkeit ist der Artikel über 45 neue Mülleimer in Pere Garau.

Warum das nicht nur eine Schönheitskur ist

Die offiziellen Argumente sind klar: weniger Stürze, weniger Pannen, bessere Sicht auf Fahrbahnmarkierungen. Für Radfahrer bedeutet das konkret: weniger Split in Kurven, sauberere Zufahrten zu Radwegen und eine freiere Bordsteinkante zum Anlehnen. Wer morgens mit Helm und Kaffee an der Playa de Palma losfährt, dürfte den Unterschied sofort spüren.

Eine Radfahrerin aus Palma fasst das praktisch zusammen: „Letzten Winter bin ich auf Schotter ausgerutscht, das passiert schnell wenn man bergab fährt.“ Solche Erlebnisse haben mitbewegt, dass die Maßnahme jetzt gestartet wird. Auch relevante Maßnahmen zur Sicherheit von Radfahrern werden bereits in der Öffentlichkeit diskutiert, wie die 1,5-Meter-Regel.

Was in der öffentlichen Debatte zu kurz kommt

Doch die Reinigung ist nur ein Puzzleteil. Drei Punkte fallen oft unter den Tisch:

1. Einmalaktion oder Dauerzustand? Einmal kehren ist hilfreich — aber Staub, Laub und Kies sammeln sich jeden Herbst und nach Stürmen wieder an. Ohne klaren Wartungsrhythmus bleibt der Effekt temporär. Die 300.000 Euro müssen in ein wiederkehrendes Budget übersetzt werden, sonst ist das Ergebnis flüchtig. Der Artikel über 310 Kilometer Sturzbäche verdeutlicht die Notwendigkeit regelmäßiger Wartung.

2. Priorisierung nach Risiko Nicht alle 1.600 Kilometern sind gleich gefährlich. Unfallstatistiken sollten entscheiden, welche Strecken zuerst an die Reihe kommen: steile Abfahrten, enge Kurven, Orte mit viel Radverkehr wie die Küstenstraße bei Cala Millor oder Abschnitte rund um die Playa de Palma. Sonst droht ein Stückwerk, das zwar gut aussieht, aber keinen messbaren Sicherheitsgewinn bringt. Ein klarer Aktionsplan wie der, den Mallorcas Regierung für 60 km sichere Wege vorgestellt hat, wäre hier hilfreich.

3. Verantwortung und Koordination Auf Mallorca teilen sich mehrere Ebenen die Straßenkompetenz — der Inselrat, die Gemeinden, manchmal die Regionalverwaltung. Wer kümmert sich künftig um kleinräumige Nachbesserungen? Ein klarer Ansprechpartner, schnelle Meldemöglichkeiten für Radfahrer und transparente Wartungspläne fehlen oft.

Konkrete Chancen und Vorschläge

Die Säuberungsaktion bietet aber auch Chancen, die über das Kehren hinausgehen. Einige pragmatische Vorschläge:

• Priorisierung nach Unfall- und Nutzungsdaten: Die ersten Abschnitte sollten die gefährlichsten sein. Straßenmeistereien könnten mit lokalen Fahrradvereinen Daten abgleichen.

• Wiederkehrender Wartungsplan: Statt einmaliger Aktion jährlich oder saisonal reinigen — besonders nach Herbststürmen.

• Umweltfreundliche Technik: Einsatz elektrischer Kehrmaschinen reduziert Lärm in den frühen Morgenstunden und passt besser zum Mallorca-Bild ohne Dieselqualm.

• Kombination mit kleinen Infrastrukturmaßnahmen: Asphaltnachbesserungen an Bordsteinkanten, klare Markierungen und zusätzliche Schilder an gefährlichen Stellen kosten weniger als neue Fahrbahnen, bringen aber viel Sicherheit.

• Melde-Apps und sichtbare Ansprechpartner: Wenn Radler einen gefährlichen Rand melden können und wissen, wer reagiert, erhöht das Vertrauen schneller als große Ankündigungen.

Was die Bewohner merken werden

An sonnigen Morgen wird man den Unterschied hören: das leise Surren einer elektrischen Kehrmaschine, das Klappern eines kleinen Baggers an einer steilen Stelle, das Geräusch von Schuhsohlen auf frisch gereinigtem Asphalt. Für Radfahrer heißt das: ein Stück mehr Gelassenheit in der Kurve, weniger Reparaturstopps am Straßenrand und ein Gefühl, dass ihre Sicherheit ernst genommen wird.

Aber die große Frage bleibt: Wird aus der Aktion ein dauerhafter Schutzwall für Radler, oder bleibt es eine einmalige, sympathische Putzaktion? Damit aus 1.600 Kilometern nicht nur ein gutes Foto für die Presse wird, braucht es klare Antworten auf Finanzierung, Priorisierung und Zuständigkeiten. Dann kann das Kehrgut mehr leisten als statische Sauberkeit — es kann Teil einer echten Verkehrswende auf der Insel werden.

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