Der Inselrat plant ab März 2026 die Erneuerung von rund 30 Kilometern in der Tramuntana zwischen Calvià und Esporles. Eine kritische Einordnung: Was wird wirklich repariert, und was bleibt offen?
Sanierung in der Tramuntana: Sechs Straßen, fünf Millionen — reicht das?
Ab März 2026 sollen sechs Verbindungsstraßen zwischen Calvià und Esporles neuen Asphalt bekommen. Gute Nachricht — mit Fragezeichen.
Am frühen Morgen in Esporles, wenn der Bus vom Berg an der Plaza vorbeifährt und der Bäcker die letzten Croissants aus dem Ofen zieht, sieht man es mit bloßem Auge: Risse, Ausbesserungen mit Flickentechnik, Stellen, an denen Wasser seit Jahren in die Fahrbahn kriecht. Der geplante Großauftrag des Inselrats verspricht Abhilfe: Sechs Straßen werden im Frühjahr 2026 saniert, die Strecke umfasst insgesamt rund 30 Kilometer, die Arbeiten sollen etwa acht Monate dauern und der Etat liegt bei etwas mehr als fünf Millionen Euro.
Leitfrage: Deckt dieses Paket die wirklich drängenden Probleme in der Tramuntana — oder entsteht nach Abschluss nur eine neue Fassade, hinter der alte Schwachstellen weiter schlummern?
Die nackten Fakten bringen Hoffnung: Orte wie Esporles, Puigpunyent, Galilea, Es Capdellà und Paguera profitieren direkt, und Straßen, die seit mehr als 25 Jahren nicht richtig erneuert wurden, bekommen neuen Deckbelag. Doch Bauprojekte in bergigem Gelände sind mehr als Asphaltieren: Entwässerung, Stützmauern, Belagsstärken, Randbefestigungen und Sicherungen an Böschungen entscheiden über die Haltbarkeit. Ohne Nachbesserungen bei Entwässerung und Böschungsstabilisierung kehrt der Verschleiß rasch zurück — besonders nach Regenereignissen, die in den letzten Jahren häufiger geworden sind.
Etwas Rechnerei hilft beim Einordnen: Rund fünf Millionen Euro für 30 Kilometer ergeben eine knappe Summe pro Kilometer. Das heißt nicht automatisch, dass hier gepfuscht wird — vielmehr legt es nahe, dass die Maßnahme punktuell und schichtweise geplant sein wird. Wer in Galilea mit dem Lieferwagen unterwegs ist oder in Es Capdellà morgens zur Schule fährt, will aber wissen: Welche Abschnitte haben Vorrang? Wo werden Spurrillen, Einmündungen und Haltestellen wirklich erneuert?
Öffentlicher Diskurs kommt oft nur bis zur Schlagzeile \"Asphalt wird erneuert\". Was fehlt: eine transparente Priorisierungsliste, Zeitplan für einzelne Abschnitte, Angaben zu Verkehrsführungen während der Bauzeit, und vor allem die Frage nach Langfristpflege. Bisherige Erneuerungen auf der Insel zeigen, dass teure Komplettsanierungen ohne regelmäßiges Unterhaltspaket binnen weniger Jahre wieder Beschwerden provozieren.
Alltagsbild: Ein Landwirt aus Puigpunyent, den ich auf dem Weg nach Galilea traf, rollt den Ärmel hoch und zeigt auf eine Stelle, wo Wasser unter dem Belag steht. \"Sie machen den Asphalt neu, aber das Wasser bleibt — dann ist es in zwei Jahren wieder das gleiche\", sagt er. Solche Stimmen sind wichtig, sie erzählen von tatsächlichen Belastungen durch schweres Gerät, kleine Bäche, Frost-Tau-Wechsel und den Verkehr in der Saison.
Konkrete Lösungsvorschläge, die über Asphaltieren hinausgehen, sind praktikabel und sollten sofort diskutiert werden: klare Priorisierung nach Gefahrenlage (zuerst Abschnitte mit steilen Böschungen und schlechter Entwässerung), Einbau robusterer Entwässerungseinrichtungen, punktuelle Verstärkung der Tragschicht an Haltebuchten und Bushaltestellen, sowie Prüfung stabilisierender Maßnahmen an Böschungen. Ein Wartungsvertrag über mehrere Jahre nach Fertigstellung würde die Lebenserwartung der Maßnahmen erhöhen und wäre preiswerter als wiederkehrende Flickarbeiten.
Auch die Bauorganisation kann verbessert werden: Phasenweise Arbeiten außerhalb der Hauptsaison verringern den Stau auf schmalen Bergstraßen, transparente Umleitungspläne und eine lokale Hotline für Anwohner sorgen für weniger Reibung. Darüber hinaus lohnt sich ein kleines Budget für Nachkontrollen durch unabhängige Bauingenieure — das stärkt Vertrauen und schützt vor voreiligen Folgekosten.
Politik und Verwaltung sollten die Gelegenheit nutzen, um diesen Sanierungsauftrag nicht als einmalige Aktion zu sehen, sondern als Auftakt für einen dauerhaften Pflegeplan der Tramuntana-Infrastruktur. Dazu gehören jährliche Inspektionen, ein digital geführtes Mängelregister und die Einbindung der Gemeinden, die den Zustand ihrer Zuwege am besten kennen.
Fazit: Die geplante Investition ist nötig und kann viel bringen — wenn sie intelligent eingesetzt wird. Neue Schicht auf alter Basis mag kurzfristig beruhigen, echte Sicherheit und dauerhafte Qualität entstehen aber erst, wenn Entwässerung, Böschungsschutz und ein verbindlicher Wartungsplan hand-in-hand mit dem Belag erneuert werden. Wer morgens auf der Ma-10 oder den kleinen Nebenstrecken unterwegs ist, hört den Unterschied nicht sofort, aber er spürt ihn beim nächsten Winterregen. Dann zeigt sich, ob die Tramuntana nur schöner angezogen wurde — oder wirklich besser geworden ist.
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