
Wenn Tourismus mehr wiegt als ein Landeshaushalt: Wie belastbar sind die Balearen?
Wenn Tourismus mehr wiegt als ein Landeshaushalt: Wie belastbar sind die Balearen?
Mehr als 19 Millionen Gäste und über 23 Milliarden Euro Einnahmen 2025: Der Tourismus hat auf den Balearen eine solche Dimension erreicht, dass er das Jahresbudget eines deutschen Flächenlandes übertrifft. Leitfrage: Wie nachhaltig ist dieses Wachstum – und für wen nützt es wirklich?
Wenn Tourismus mehr wiegt als ein Landeshaushalt: Wie belastbar sind die Balearen?
Leitfrage: Wie nachhaltig ist dieses Wachstum – und wer trägt die Risiken, wenn der Tourismus plötzlich an Tempo verliert?
Die nackten Zahlen sind schwer zu überhören: Mehr als 19 Millionen Besucher im Jahr 2025 und Touristenausgaben von über 23 Milliarden Euro (Balearen-Spitzenreiter 2025). Das ist kein lokales Wohlfühlphänomen mehr, das ist eine volkswirtschaftliche Größe, die mit dem Jahresetat eines deutschen Flächenlandes vergleichbar ist. Auf den Straßen von Palma, wenn die Marktfrauen am Mercat de l’Olivar ihre Kisten rücken und der Bus vom Passeig Mallorca hupend vorbeifährt, merkt man den Erfolg: volle Cafés, Taxis mit Koffern, Personal in Restaurants mit kurzen Verschnaufpausen zwischen den Tischwechseln. Doch Augen und Ohren allein erzählen nicht die ganze Geschichte.
Kritische Analyse
Wer die Daten liest, sieht zwei Seiten: Die Einnahmen sind riesig, aber die Verteilung ist ungleich. Mallorca zieht den Löwenanteil der Gäste, Menorca wächst prozentual stärker, Ibiza und Formentera bleiben moderat (Balearen im Aufwind). Dazu ein Strukturwandel: der Zuwachs kommt vor allem von internationalen Gästen – besonders aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich – während der Inlandsverkehr aus dem spanischen Festland zurückgegangen ist. Immer mehr Menschen buchen individuell statt als Pauschalurlauber. Kurz: Das Geschäftsmodell verändert sich, und das Tempo ist hoch.
Risiken bleiben: zu starke Konzentration auf einzelne Hotspots, Abhängigkeit von wenigen Herkunftsländern, saisonale Schübe, die Infrastruktur und Wohnraum belasten. Wenn ein wetterbedingt schlechter Winter, ein Krisenjahr in den Quellmärkten oder ein anderer externer Schock eintritt, trifft das eine Region, die sehr viel stärker auf Tourismus gebaut hat als auf andere wirtschaftliche Säulen (Boom trotz Reibung).
Was im öffentlichen Diskurs fehlt
Es wird viel über Besucherzahlen und Einnahmen gesprochen. Kaum gehört wird aber: Wie verteilen sich diese Einnahmen auf Löhne, kleine Betriebe, Vermieter und öffentliche Kassen? Wie viel Geld verlässt die Insel über Buchungsplattformen, große Hotelketten und Luxusrenditen? Und: Welche Folgen hat der Besucherandrang für bezahlbaren Wohnraum, Verkehr oder Trinkwasser in Gemeinden abseits der Playa-Hotspots? Ein weiterer blinder Fleck ist die Klimarisiken-Sicht: Stürme, Hitzesommer oder Meeresspiegelveränderungen können die Rechnung schnell ändern.
Eine Alltagsszene aus Palma
An einem grauen Vormittag im Januar, wenn Regenklatschen an der Plaça d’Espanya das Kopfsteinpflaster glänzen lassen, stehen Fährangestellte am Hafen und tragen Koffer. Ein Bäcker in der calle Sant Miquel putzt in aller Ruhe seine Scheiben, während draußen Touristen in Regenjacken die Kathedrale fotografieren. Solche Bilder zeigen: Es ist nicht nur die Hochsaison, die zählt (erste Tourismusbilanz Sommer 2025). Die Kosten des Betriebs laufen 12 Monate, die Erträge jedoch oft nicht.
Konkrete Lösungsansätze
1) Einnahmen besser lokal halten: Förderrichtlinien zugunsten kleiner Betriebe, verpflichtende Transparenz bei Plattformprovisionen, Unterstützung für lokale Wertschöpfungsketten (Lebensmittel, Handwerk) (Mehr Einnahmen, weniger Deutsche). 2) Diversifizierung der Wirtschaft: Nacht- und Kulturangebote außerhalb der Hauptsaison, Förderung von Forschung, digitale Nomaden mit Regeln für fairen Wohnungsmarkt. 3) Infrastruktur und Planung: verpflichtende Ferienwohnungs-Register, strengere Nutzungskontrollen in sensiblen Zonen, Investitionen in Wasser- und Abwassersysteme. 4) Krisenresilienz: Rücklagenbildung in guten Jahren, Versicherungslösungen für Betriebe gegen wetterbedingte Ausfälle, Ausbau von Marketing in stabileren Herkunftsmärkten.
Pointiertes Fazit
Die Balearen verdienen beeindruckend viel Geld mit dem Tourismus. Das ist ein Segen, aber auch eine Verantwortung. Wer 23 Milliarden Euro in 12 Monaten bewegt, sollte die Einnahmen nicht nur zählen, sondern gestalten: gerechter verteilen, unabhängiger machen, in die Inseln investieren, damit die lebendige Straße von Palma und die ruhigen Gassen in Sóller auch dann noch funktionieren, wenn einmal weniger Koffer durch die Gassen rollen.
Für Dich gelesen, recherchiert und neu interpretiert: Quelle
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