Jordi Morey Vich: Vom Profi zum Obdachlosen in Palma – ein Reality‑Check

Vom Stadion zur Parkbank: Warum ein Ex‑Spieler in Palma jetzt auf der Straße lebt

Vom Stadion zur Parkbank: Warum ein Ex‑Spieler in Palma jetzt auf der Straße lebt

Der ehemalige Real‑Mallorca‑Stürmer Jordi Morey Vich (Jg. 1959) schläft derzeit auf einer Parkbank bei s’Escorxador. Ein Reality‑Check über Verantwortung, Lücken und Lösungen.

Vom Stadion zur Parkbank: Warum ein Ex‑Spieler in Palma jetzt auf der Straße lebt

Leitfrage

Wie kann es sein, dass ein Mann, der Anfang der 1980er Jahre in der Mannschaft war, die Real Mallorca zurück in die höchste Liga führte, heute seine Nächte auf einer Parkbank bei s’Escorxador verbringt — und welche Verantwortung trägt die Stadtgesellschaft?

Kritische Analyse

Die nackten Fakten sind kurz erzählt: Jordi Morey Vich, 1959 in Palma geboren, war Profi‑Stürmer, spielte später für Clubs wie Poblense, Levante und Córdoba und arbeitete anschließend im Marketing sowie in sozialen Aufgaben seines früheren Vereins. Heute gibt er an, obdachlos zu sein; er schläft im Freien nahe des ehemaligen Schlachthofs s’Escorxador, leidet laut eigener Aussage an Gicht und Arthrose und kann sich keine Medikamente leisten. Sein Mobiltelefon ist meist ohne Guthaben, er nutzt öffentliche Einrichtungen wie Bibliothek und Toiletten und bezeichnet seine Lage als dramatisch.

Das Gesamtbild ist symptomatisch: Ein strukturierter Berufsweg, Vernetzung im lokalen Fußball‑ und Vereinsumfeld, dann ein Bruch, der ihn an den Rand brachte. Die Lücken in der Fürsorge werden deutlich — medizinische Versorgung, niedrigschwellige Beratungsangebote, dauerhafte Unterbringung und wirkliche Reintegration fehlen in seinem Alltag.

Was im öffentlichen Diskurs fehlt

Wir reden oft über Zahlen — wie viele Obdachlose in Palma registriert sind — und weniger über individuelle Pfade, die Menschen dorthin bringen. Bei Morey fehlt die Diskussion über den Übergang von bezahlter Arbeit in prekäre Verhältnisse, über bürokratische Hürden beim Zugang zu Sozialleistungen, über die Rolle von Sportvereinen bei Langzeitbetreuung früherer Mitarbeiter und über die medizinische Nachsorge für Menschen mit chronischen Leiden. Ebenfalls wenig gehört: die Frage, wie lokale Nachbarschaften und kleine Initiativen praktischen Beistand leisten könnten, wenn staatliche Stellen nicht schnell genug reagieren.

Alltagsszene aus Palma

Am frühen Morgen vor der Bibliothek an der Plaça — das Küssen der Möwen im Wind, das Rattern der Müllabfuhr auf dem Passeig Mallorca, die Bäckerei, die schon Brote aus dem Ofen holt — sitzt Morey auf seiner Bank nahe s’Escorxador. Eine Flasche Wasser, ein kalter Kaffee in einem Pappbecher, ein dünner Schlafsack: das ist sein Tagesinventar. Passanten biegen ab, einige schauen weg, ein älterer Mann bleibt stehen, erinnert sich an Spiele im Sitjar‑Stadion, lässt eine Münze da und geht weiter. Solche kleinen Momente zeigen, wie sichtbar und doch unsichtbar ein Mensch in Palma sein kann.

Konkrete Lösungsansätze

1) Mobile Sozialteams ausbauen: Teams, die regelmäßig gezielt Orte wie s’Escorxador anfahren, um neben Nothilfe auch Anträge zu begleiten und Krankenversorgung zu vermitteln. Diese Arbeit muss über einzelne Aktionen hinaus dauerhaft finanziert werden.

2) Übergangswohnungen mit persönlicher Betreuung: kleine Wohneinheiten, gekoppelt an begleitende Sozialarbeit und medizinische Nachsorge. Für Menschen mit körperlichen Beschwerden wie Gicht sind kurze Wege zu Therapien entscheidend.

3) Vereinsverantwortung stärken: Sportvereine sollten verbindliche Nachsorge‑Programme für Ex‑Mitarbeiter prüfen — nicht nur aus Imagegründen, sondern als lokal verankerte Netzwerke, die Zugänge erleichtern können.

4) Bürokratie‑Lotsen: Ehrenamtliche oder bezahlte Berater, die bei Papieren, Renten‑ oder Sozialanträgen helfen. Viele Betroffene wissen nicht, welche Leistungen ihnen zustehen oder haben Angst vor komplexen Verfahren.

5) Nachbarschaftsnetzwerke fördern: Kleine Initiativen, etwa Wasch‑ und Duschangebote, Wäscheausgaben oder Gemeinschaftsessen in Gemeindezentren, mildern akute Not und schaffen Verbindung.

Pointiertes Fazit

Die Geschichte von Jordi Morey Vich ist kein Einzelfall, aber sie trifft besonders, weil es ein Gesicht hat: ein einst bekannter Kicker aus Palma, der jetzt auf einer Bank liegt. Es reicht nicht, Mitleid zu äußern. Wir brauchen koordinierte, dauerhafte Maßnahmen — medizinisch, sozial und organisatorisch — und ein Umdenken bei Institutionen und Vereinen: Wer hier Karriere machte, gehört nicht einfach abgeschrieben, wenn das Leben schiefgeht. Und an der Bank bei s’Escorxador hört das Morgenkonzert der Stadt nicht auf; es ist an uns, dass in diesen Tönen auch eine Hand gereicht wird.

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