Alarm an den Malgrats – Invasive Nattern bedrohen die Sargantana

Alarm an den Malgrats: Invasive Nattern bedrohen die Sargantana

An den Malgrats vor Santa Ponça werden invasive Treppen- und Hufeisennattern gesichtet. Die endemische Sargantana steht akut auf dem Spiel – was jetzt zu tun ist.

Schlangen auf den Malgrats: Ein Alarm, den man nicht ignorieren darf

Wenn am frühen Morgen die Sonne über der Bucht von Santa Ponça klettert, die Boote noch sanft am Kai schaukeln und Möwen ihre schrillen Rufe über dem Hafen abgeben, erzählen Fischer von etwas Ungewöhnlichem: Nattern, die an den winzigen Felsen der Malgrats an Land kriechen. Was für Touristen als merkwürdige Anekdote klingt, ist für Biologen und ehrenamtliche Naturschützer ein echter Albtraum. Warum Schlangen jetzt öfter auf Mallorca auftauchen – das müssen wir bedenken.

Die zentrale Frage: Wie schützen wir die Sargantana und verhindern ein dauerhaftes Einschleppen?

Im Zentrum steht die kleine, endemische Eidechse Podarcis lilfordi hartmanni – die Sargantana. Auf winzigen Schären wie dem Illot dels Conills überlebte sie jahrzehntelang in abgeschiedenen Lebensräumen. Nun mehren sich Berichte, wonach Treppen- und Hufeisennattern auf den Felsen gesehen wurden. Die zentrale Leitfrage lautet: Haben wir noch die Möglichkeit, das Überleben dieser Inselpopulationen zu sichern – oder ist ihr Schicksal bereits besiegelt, weil das Management zu zögerlich reagiert hat?

Wie landeten die Schlangen hier? Eine Analyse der Einschleppungswege

Ortskundige vermuten, dass die Reptilien unbeabsichtigt an Bord gekommen sind: in ausgehöhlten Olivenstämmen, in Ladung oder unter Deck von Freizeit- und Fischerbooten. Ein Hafenarbeiter erzählte mir beim Blick auf die Netze von Rindenstücken und Spuren, die auf Frachtboten hinweisen. Solche „Stowaways“ sind kein Einzelfall, aber auf kleinen Schären mit wenig Habitatvielfalt hat eine einmalige Einführung dramatische Folgen. Notfall auf Mallorca: Warum plötzlich Olivenbäume verboten sind

Weniger beachtet wird oft, dass sich Klimaänderungen und wärmere Winter die Überlebenschancen exotischer Arten verbessern. Eine Schlange, die früher im Herbst gestorben wäre, findet heute vielleicht mildere Bedingungen vor – das erhöht das Risiko, dass sie auf den Inseln Fuß fasst.

Warum wir hier nicht nur eine Eidechse retten – sondern ein Stück DNA-Geschichte

Die Sargantana ist mehr als eine hübsche Echse, sie ist ein genetisches Fenster in die Vergangenheit von Mallorcas Schären. Inselpopulationen entwickeln oft einzigartige Anpassungen und genetische Vielfalt, die auf dem Festland verloren sind. Der Verlust einer solchen Unterart wäre unumkehrbar – eine lokale Auslöschung ist nicht wie das Verschwinden einer Art auf dem Festland, sie bedeutet den Wegfall eines einzigartigen Erbguts.

Maßnahmen, die jetzt notwendig sind: konkret, pragmatisch, lokal verankert

Die Debatte um mögliche Gegenmaßnahmen ist in vollem Gange. Was jetzt aber fehlt, ist ein klarer Handlungskatalog – und zwar schnell. Unsere Vorschläge:

1. Sofortige Bestandsaufnahme und Monitoring: Kamerafallen, regelmäßige Kontrollgänge auf den Inseln und eDNA-Proben aus Wasser und Boden, um Nattern frühzeitig nachzuweisen.

2. Boots- und Frachtkontrollen: Kontrollen an den Anlegestellen in Santa Ponça und anderen Häfen, Kontrollen von Fracht und Ausrüstung, Schulungen für Bootsleute und Fischer, die oft die ersten Beobachter sind.

3. Gefahrenaufsperrung und Fallen mit Bedacht: Gezielte Fangaktionen durch geschulte Teams, unter Einsatz artenschonender Methoden. Fallen dürfen nicht wahllos gesetzt werden – auf den kleinen Inseln leben auch zahlreiche andere geschützte Arten.

4. Öffentlichkeitsarbeit und Meldeplattform: Eine lokale Hotline, klare Melderoutinen und Informationsmaterial am Hafen. Wenn Einheimische, Charterkapitäne und Taucher wissen, worauf sie achten müssen, steigen die Chancen, Einführungen schnell zu stoppen.

5. Koordination und Finanzierung: Gemeinde, Inselregierung und Naturschutzvereine müssen abgestimmte Maßnahmen finanzieren. Kurzfristige Notfallmittel sind nötig, aber auch langfristige Monitoring-Programme.

Was oft zu kurz kommt: Nebenwirkungen und rechtliche Hürden

Bei schnellen Reaktionen drohen Nebenwirkungen: Fallen können Nichtzielarten treffen, und unkoordinierte Aktionen können empfindliche Habitate beschädigen. Es braucht Protokolle, wer wann welche Maßnahmen ergreift. Zudem klagen Ehrenamtliche oft über langwierige Genehmigungsverfahren – in einer akuten Invasionslage können solche Verzögerungen fatal sein. „Eine Schlange frisst die andere“ – was der Kannibalismus unter invasiven Schlangen über Mallorcas Ökosystem verrät

Ein Aufruf an die lokale Gemeinschaft

Die Situation an den Malgrats ist ein Prüfstein dafür, wie gut die Inselgemeinschaft auf biologische Krisen reagiert. Wenn Sie in den nächsten Tagen am Kai von Santa Ponça sind: schauen Sie genau hin, fotografieren Sie Auffälliges und melden Sie es. Ein Fischer, der im Morgengrauen die Leinen überprüft, kann mehr bewirken als jede Pressemitteilung. Und ja, es klingt dramatischer als ein heißer Julitag – aber für die Sargantana entscheiden die nächsten Wochen über Leben oder Tod.

Ortstermin, Kontrollen, und schnelle, koordinierte Maßnahmen: Nur so haben die Malgrats eine Chance, ihre kleine Echse und damit ein Stück mallorquinische Naturgeschichte zu bewahren.

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