
„In Spanien bin ich Deutsche, in Deutschland Spanierin” – Lea Marks zwischen Insel und Bühne
„In Spanien bin ich Deutsche, in Deutschland Spanierin” – Lea Marks zwischen Insel und Bühne
Lea Marks, 28 und auf Mallorca geboren, feiert ihr Kinodebüt in „Tal vez”. Ein Porträt über Heimat, Akzentkunst und die Entscheidung, zwischen Barcelona und der Insel zu pendeln.
„In Spanien bin ich Deutsche, in Deutschland Spanierin” – Lea Marks zwischen Insel und Bühne
Auf dem Weg vom Flughafen ins Stadtzentrum riecht es nach heißem Asphalt und Espresso. Die Rollkoffer klackern, irgendwo in einer Seitengasse spielt ein Straßenmusiker Gitarre — so beginnt man in diesen Wochen oft einen Abend in der Hauptstadt. Für Lea Marks fing ein solcher Abend anders an: Sie wollte einen Film sehen und fand sich plötzlich auf dem roten Teppich wieder, mit Blitzlichtern im Gesicht und zwei Agentinnen, die in zehn Minuten Interviews verteilten.
Die Geschichte der Schauspielerin liest sich wie eine Inselreise der besonderen Art. Geboren 1998 auf Mallorca, wuchs sie zwischen spanischen und deutschen Worten auf. Ihre Eltern, Anja und Jan Marks, leben noch auf der Insel; sie selbst hat Barcelona als Wohnort gewählt, pendelt aber immer wieder zurück. Diese Zwischenwelt ist kein Problem für sie, eher ihr Vorteil: „Ich bin eigentlich zufrieden damit, nichts und gleichzeitig alles zu sein”, sagt sie über die Identität, die andere oft schnell einordnen wollen.
Vom Schulstück ins Kino
Der erste Auftritt war ein Schulstück: Captain Hook bei einer Aufführung in der Privatschule San Cayetano. Das Theaterspiel am Teatre Sans in Palma begleitete sie bis zum sechzehnten Lebensjahr. Dann ging es in ein Internat nach England, später zum Schauspiel- und Kreativschreibstudium nach Bristol. Sie spricht fließend Englisch, Spanisch und Deutsch — und kann, so erzählt sie lächelnd, ein spanisches „r“ mit deutschem Timbre an- und ausschalten. Eine Fähigkeit, die ihr bei ihrer neuen Rolle sehr gelegen kam.
„Tal vez”, das Regiedebüt von Arima León, spielt im Spanien des Jahres 1968. In der filmischen Welt trifft die legendäre Trapezkünstlerin Pinito del Oro auf eine junge Schriftstellerin; Lea spielt Inge, eine Deutsche, die anfangs mit Akzent spanisch spricht und deren Sprache im Laufe der erzählten Jahre flüssiger wird. Für Marks war das kein Ratespiel: „Meine Eltern sprechen Spanisch mit deutschem Akzent, das habe ich meine ganze Kindheit gehört. Das kann ich einfach ein- und ausschalten.”
Der Umweg, der in die Rolle führte
Karriere ist bei ihr kein gerader Weg gewesen. Nach dem Studium kam Covid, sie machte noch einen Master und arbeitete eine Zeit lang als Lehrerin — pragmatisch und verantwortungsbewusst, wie sie selbst sagt. Vor der Kamera war sie schon als Statistin in einer bekannten Serie zu sehen. Ein Vorsprechen für einen anderen Film führte dann zu dem Anruf eines Casting-Direktors: Vielleicht sei sie die richtige Besetzung für Inge. Solche Umwege mögen unvorhersehbar klingen, für Lea gehören sie zum Beruf.
Auf der Insel, zwischen der Steilküste und den belebten Promenaden, hat sie gelernt, Auftritt und Alltag zu verbinden. Sie übersetzt nebenher Texte, um nicht nur von der Schauspielerei abhängig zu sein — ein zweites Standbein, das Ruhe gibt. „Man muss träumen und spielen können, aber gleichzeitig realistisch bleiben”, erklärt sie und nippt am Café con leche, während die Markisen in der Sonne rascheln.
Warum das gut für Mallorca ist
Dass eine auf Mallorca geborene Schauspielerin in einem spanischen Kinofilm debütiert, ist nicht nur ein persönlicher Erfolg, sondern auch ein kleines kulturelles Signal: Die Insel liefert weiter Talente, die über lokale Bühnen hinaus wirken. Das stärkt das Gefühl, dass Mallorca mehr ist als nur Sommer und Strand — hier entstehen Stimmen, die in Madrid, Barcelona oder sogar London gehört werden.
Für junge Menschen auf der Insel ist Marks’ Weg eine Einladung: Man kann bleiben, zurückkehren oder von hier aus fortfliegen — und trotzdem eine Verbindung pflegen. Ob bei Proben im Teatre Sans oder beim Familienessen in einem Patio in Palma, solche Geschichten wirken nach.
Ausblick
Lea spricht von Zukunftsplänen mit einer überraschenden Mischung aus Pragmatismus und Sehnsucht. In zehn Jahren sieht sie sich weiterhin zwischen Barcelona und Mallorca, vielleicht mit wiederkehrenden Rollen in Serien, die Figuren über mehrere Staffeln formen. Eine Wunschvorstellung ist eine Rolle, die wachsen darf — eine Art mehrteiliges Schauspiel-Puzzle, bei dem sie die Veränderungen einer Figur begleiten kann.
Auf der Plaça, wenn die Glocken langsam zur vollen Stunde läuten und die Hitze des Tages sich abkühlt, klingt das nicht nach Utopie. Es klingt nach einem Berufsweg, den man Schritt für Schritt baut — mit Akzent, mit Übersetzungen als zweitem Standbein und mit einer Insel im Herzen.
Warum lesen wir das gerne? Weil es zeigt: Mallorca ist Startpunkt und Heimathafen zugleich. Für Lea Marks ist die Insel mehr als Erinnerungsort. Sie ist Anker, von dem aus man die Welt ausprobiert — und eines Tages vielleicht wieder anlegt.
Häufige Fragen
Wie hat Lea Marks ihre Mehrsprachigkeit geprägt und beeinflusst das ihre Rollen?
Welche Umwege führten Lea Marks letztlich zu ihrer ersten Hauptrolle?
Welche Rolle spielt Mallorca als Startpunkt und Heimathafen für Lea Marks?
Wie nutzt Lea Marks ihre Sprachkenntnisse in der Figur Inge?
Welche Bedeutung hat Teatre Sans Palma in Lea Marks’ Jugend?
Welche Tipps gibt Lea Marks jungen Mallorca-Talenten?
Welche Zukunftspläne hat Lea Marks in Bezug auf Mallorca und Barcelona?
Wie wirkt der Alltag von Lea Marks auf Mallorca, wenn Proben und Alltag sich vermischen?
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