
Nebeneinander fahren auf Mallorca: Neue Regeln — reicht das wirklich?
Die Insel erlaubt jetzt das Nebeneinanderfahren von Fahrrädern. Welche Probleme bleiben offen — von MA-10 bis Plaça Espanya — und welche praktischen Lösungen sind möglich?
Nebeneinander erlaubt, aber wie sicher ist das wirklich?
Seit Kurzem gelten auf Mallorca neue Verkehrsregeln, die vor allem Radfahrende und motorisierte Zweiräder betreffen. Kurz gesagt: Gruppen dürfen nebeneinander auf einer Fahrspur fahren, nachts sind mehr Sichtbarkeitsregeln vorgeschrieben, und beim Überholen gilt ein Mindestabstand. Gute Idee. Die zentrale Frage aber bleibt: Reichen diese Regeln, um die täglichen Konflikte auf engen Landstraßen und in vollen Städten zu lösen?
Was praktisch geändert wurde
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick: Fahrräder dürfen in Gruppen nebeneinander fahren, Sichtbarkeit bei Dämmerung oder Regen wird verbindlich vorgeschrieben (Reflektoren, helle Leuchten, sichtbare Kleidung), und in Tempo-30-Zonen dürfen Radfahrende bei stockendem Verkehr gegen die Fahrtrichtung vorankommen, um riskante Manöver auf dem Gehweg zu vermeiden. Für Autofahrer gilt beim Überholen ein Mindestabstand von 1,5 Metern. Motorradfahrer müssen nachts reflektierende Westen tragen und bestimmte Helme außerhalb geschlossener Ortschaften benutzen. Mehr Informationen dazu gibt es in unserem Artikel Reicht eine 1,5‑Meter‑Tafel, um Radfahrer auf Mallorca zu schützen?
Warum das in der Praxis knifflig wird
Auf einer perfekten, breiten Straße mag das alles gut funktionieren. Auf der MA-10 in der Tramuntana, wo der Wind Piniennadeln und Salz riechen lässt, ist die Fahrbahn aber oft so schmal, dass 1,5 Meter Abstand kaum gewährleistet sind. Wenn morgens auf der Plaça Espanya Rennradgruppen am Café vorbeiziehen, klackern die Pedale und der Espressoduft hängt in der Luft — dann entscheidet nicht das Gesetz, sondern Geduld und gegenseitiger Respekt über die Sicherheit. Informationen zu den Herausforderungen stehen auch in Warum Mallorca für Biker gefährlich bleibt – und was wirklich helfen könnte.
Und es gibt weitere blinde Flecken in der Diskussion: Touristen mit Mieträdern kennen oft die Regeln nicht. Manche Elektro-Roller und -Fahrräder sind leiser als früher, und dadurch kommt es zu überraschenden Begegnungen. Die Durchsetzung der neuen Vorschriften ist bislang vage: Wer kontrolliert die vorgeschriebene Sichtbarkeit? Wie oft wird bei Verstößen geahndet?
Aspekte, die kaum besprochen werden
Erstens: die Rolle der Vermieter. Fahrradverleihe sind erste Ansprechpartner für viele Besucher. Eine Pflicht, bei Übergabe kurze Sicherheitshinweise und Reflexionskits auszuhändigen, würde viel bringen. Zweitens: zeitliche Entzerrung. Auf beliebten Tourenabschnitten könnten beschränkte Zeitfenster für große Gruppen eingeführt werden — frühmorgens für Rennradler, später für gemütliche Fahrer. Drittens: Rettungs- und Busverkehr. Enge Straßen werden zur Herausforderung, wenn ein Rettungswagen hinter einer Radgruppe steckt. Wer räumt zuerst? Solche Praktiken müssen klar geregelt werden, wie bereits in unserem Beitrag Mehr Platz für Radler und Fußgänger – aber reicht das? thematisiert.
Konkrete Vorschläge — praktikabel und lokal
Ein paar Maßnahmen wären sofort umsetzbar und würden den Alltag spürbar entspannen:
1. Sichtbarkeitspakete an Fährterminals und Mietstationen: Kleine Reflektor-Sets oder USB-Leuchten für Touristen beim Fahrradverleih. Kostet wenig, hilft enorm.
2. Pilotzonen mit begleiteter Regelumsetzung: Auf der MA-10 und in Palma (z. B. Plaça Espanya) könnten Polizei und lokale Ordnungsdienste anfangs verstärkt Präsenz zeigen und gezielt Aufklärung betreiben statt sofort zu strafen.
3. Zeitfenster für Trainingsgruppen: Absprache mit Radvereinen und Veranstaltern über reservierte Zeiten, damit große Trainingsgruppen nicht zur Rushhour stoßen.
4. Deutliche Beschilderung: Mehrsprachige Schilder (Spanisch, Englisch, Deutsch) an auffälligen Punkten — „Nebeneinander erlaubt: Bitte Abstand halten“ — das reduziert Unsicherheit.
5. Kontrollen und Bußen sinnvoll einsetzen: Nicht als Einnahmequelle, sondern gezielt gegen gefährliches Verhalten (z. B. riskantes Überholen, fehlende Beleuchtung).
Was die Beteiligten tun müssen
Gesetze sind nur ein Teil der Lösung. Auf meinen Fahrten zwischen Banyalbufar und Sóller sehe ich oft, wie kleine Gesten Großes bewirken: Handzeichen, Blickkontakt, ein kurzes Abbremsen. Autofahrer sollten lernen, bei zwei nebeneinander fahrenden Radlern geduldig zu bleiben. Radgruppen müssen sich so weit rechts wie sicher bilden und Rücksicht auf langsamere Verkehrsteilnehmer nehmen. Motorradfahrer sollten die neuen Vorschriften als Chance sehen, Nachtsichtbarkeit zu verbessern — das ist ein echter Gewinn, nicht nur Pflicht.
Fazit: Ein Anfang — aber kein Freifahrtschein
Die neuen Regeln geben Richtung und schaffen wichtige Standards. Ob damit die Zahl der kritischen Begegnungen sinkt, hängt jedoch an vielen Details: Aus- und Weiterbildung bei Vermietern, gezielte Kontrollen, klare Kommunikationsmaßnahmen und nicht zuletzt an der Haltung der Menschen auf der Straße. Mallorca bleibt Radsport-Paradies. Damit das so bleibt, braucht es weniger rechtliche Raffinesse und mehr praktische, lokale Lösungen. Ein bisschen mehr Rücksicht — und vielleicht ein Reflektor am Sattel — würden schon reichen.
Lesetipp für die Praxis: Wer in den nächsten Tagen die MA-10 befährt oder sich am Morgen in Palma auf die Radgruppe stellt: langsam ranfahren, winken, und die Landschaft genießen. Die Tramuntana hat Geduld. Weitere wertvolle Tipps gibt es auch in Sicher cruisen auf Mallorca: Was Urlauber und Behörden endlich anders machen sollten.
Ähnliche Nachrichten

Eine Tomate und ein Käse erobern die Welt: Voro-Gericht auf der Michelin-Liste
Mitten in Canyamel: Das einfache Gericht „Ramallet y mahonés“ aus dem Restaurant Voro wurde von Michelin zu einem der we...

Verweste Leiche nahe Son Banya: Warum das Verschwinden eines Menschen so lange unsichtbar blieb
Bei einer verfallenen Mühle an der Straße nach Llucmajor wurde eine verweste Leiche gefunden. Die Mordkommission ermitte...

Von Cala Rajada bis zu den Malediven: Dieter Bohlen und Carina Walz haben Ja gesagt
Der Pop-Produzent, seit vielen Jahren eng mit Mallorca verbunden, hat an Silvester seine langjährige Partnerin Carina Wa...

Mercat de l'Olivar: Zwischen Markt und Gastro — Wer sichert die Zukunft?
Der Mercat de l’Olivar wird 75. Tradition trifft auf Gastronomie, Touristenströme und Parkplatzzwang. Ein Reality-Check:...

Balearen 2026: Preise am Markt — Was bleibt vom Einkaufswagen übrig?
Experten erwarten für 2026 weitere, wenn auch langsamere Preiserhöhungen auf den Balearen. Was das für Mallorca-Alltag, ...
Mehr zum Entdecken
Entdecke weitere interessante Inhalte

Erleben Sie beim SUP und Schnorcheln die besten Strände und Buchten auf Mallorca

Spanischer Kochworkshop in Mallorca
