Nur 13 Grad am Check-in: Wenn Baustellen die Arbeit frieren lassen
Mitarbeiter am Flughafen Palma klagen über nur 13–14 °C an Check‑in‑Schaltern, fehlende Heizung und abgeschaltete Messgeräte. Ein Reality‑Check: Was fehlt, wer ist verantwortlich und welche Sofortmaßnahmen helfen?
Nur 13 Grad am Check‑in: Wenn Baustellen die Arbeit frieren lassen
Leitfrage
Wie kann in einem internationalen Airport, mitten in Betrieb, die Temperatur an Arbeitsplätzen so weit absinken, dass Beschäftigte mit Mantel und Schal arbeiten müssen — und wer trägt in so einer Lage die Verantwortung?
Kritische Analyse
An mehreren Check‑in‑Reihen berichten Beschäftigte unterschiedlicher Airlines seit Wochen von Dauerkälte: Thermometer zeigen laut Angaben im Dienstbereich nur etwa 13–14 °C an. Das liegt deutlich unter den oft genannten Mindestwerten für Kundenkontakt‑Arbeitsplätze (rund 17 °C). Gleichzeitig laufen umfangreiche Bauarbeiten im Terminal — Gerüste, offene Wände, Zuluftkanäle, provisorische Abtrennungen. Solche Eingriffe können Heiz‑ und Luftführung empfindlich stören. Wenn dann offizielle Messinstrumente nicht sichtbar melden, verstärkt das Misstrauen.
Wichtig ist: Es handelt sich um Berichte von Beschäftigten, keine behördliche Messreihe, die wir hier vorlegen. Dennoch sind die beschriebenen Folgen plausibel: eingeschränkte Bewegungsfreiheit durch Winterkleidung, verlangsamte Serviceabläufe, erhöhte Unfallgefahr bei nassen Böden oder bei Hantieren mit Gepäck. Wenn man täglich Kunden mit Koffern, Rollwägen und Kaffeebechern um sich hat, sind kalte Finger und zittrige Hände kein Luxusproblem — sondern ein Sicherheitsfaktor.
Was im öffentlichen Diskurs fehlt
Die Debatte fokussiert sich meist auf Passagiere, Flugpläne und Lärmbeschwerden rund um Baustellen. Die konkrete Lage der Menschen, die den Betrieb aufrechterhalten — Bodenpersonal, Check‑in‑Teams, Gepäckabfertigung, Reinigungskräfte — wird selten getrennt betrachtet. Ebenfalls wenig beachtet: wie Baustellenphasen (Aushub, Demontage, Neumontage) gezielt Heiz‑ und Steueranlagen beeinflussen. Und: öffentliche Transparenz über Messwerte in betroffenen Bereichen fehlt fast völlig. Ohne offen einsehbare Temperaturprotokolle bleibt die Situation ein Streitfall zwischen Betriebsführung und Beschäftigten.
Alltagsszene aus Palma
Man stelle sich das so vor: Es ist früher Vormittag, automatische Schiebetüren öffnen und ein kalter Wind wirbelt über den hellen Boden der Abflughalle. Auf einer Seite quietschen Wagenräder, Reisende ziehen an Pullis, im Hintergrund heulen Baustellenmaschinen. An einem langen Check‑in‑Tisch stehen Kollegen in dicken Jacken, eine Mitarbeiterin zieht nervös an ihrem Schal, ein Thermometer steckt in der Jackentasche. Der Duft von frischem Kaffee aus der Flughafenbar mischt sich mit dem Geruch von Zementschlamm aus einer geöffneten Wand. Die Lautsprecher rufen Gateänderungen, aber niemand ruft die Heizung an — die scheint mitten im Umbau verloren gegangen zu sein.
Konkrete Lösungsansätze
Kurzfristig (innerhalb von Tagen): Mobile, elektrisch betriebene Warmluftgeräte in Dienstbereichen aufstellen; Zugluftquellen vor Check‑in‑Reihen provisorisch abdichten; klare, sichtbare Temperaturmessungen installieren und regelmäßig protokollieren; Pausen anpassen, damit besonders exponierte Beschäftigte kürzere, dafür häufigere Pausen in beheizten Ruheräumen bekommen.
Mittel‑ bis langfristig: Bauphasen so planen, dass kritische Versorgungstechnik (Heizung, Lüftung) nicht gleichzeitig abgeschaltet oder durchgearbeitet wird; ein verpflichtendes Informationsblatt für Beschäftigte mit Kontaktdaten und Eskalationsstufen bei Sicherheitsmängeln; Einbindung der Arbeitsinspektion (Inspección de Trabajo) und der zuständigen Gesundheits‑ und Sicherheitsbeauftragten für Baustellen in Flughäfen, damit verbindliche Mess‑ und Meldepflichten geschaffen werden.
Für das Management heißt das konkret: Offenlegung von Messdaten, ein klarer Fertigstellungsfahrplan für betroffene Abschnitte, und das Vorhalten eines Notfallbudgets für provisorische Wärmeinfrastruktur. Für Beschäftigte sind Betriebsrat und Gewerkschaften zentrale Hebel: gemeinsame Messungen, offizielle Meldungen und gegebenenfalls Anzeigen bei zuständigen Behörden sind legitime Mittel, um Arbeitsbedingungen zu verbessern.
Warum das nicht nur ein Komfortproblem ist
Kälte am Arbeitsplatz mindert die Konzentration, verlangsamt Handgriffe und kann bei Feuchtigkeit oder vereisten Flächen unmittelbare Unfallgefahren erzeugen. Am Flughafen verkehrt viel Publikum; Fehler oder Verzögerungen treffen Menschen, Gepäckstücke und den gesamten Betriebsfluss. Zudem wächst die Frustration im Team — das spürt jeder, der morgens an einem Check‑in vorbeiläuft: weniger Lächeln, mehr gezielte Beschwerden, häufigere Krankmeldungen.
Pointiertes Fazit
Es ist nicht akzeptabel, wenn Menschen in einem modernen Verkehrscenter systematisch mit zu niedrigen Temperaturen arbeiten müssen — egal ob wegen Umbau, Kostenersparnis oder Kommunikationspannen. Verantwortliche müssen jetzt sichtbar handeln: kurzfristig mit Heizlösungen und Messprotokollen, mittelfristig mit Bauplanung, die Arbeits‑ und Passagiersicherheit nicht gegeneinander ausspielt. Wer den Flughafen baulich verändert, darf nicht die Menschen vergessen, die dort jeden Tag dafür sorgen, dass Flüge starten und landen. Sonst friert nicht nur die Luft — sonderns auch das Vertrauen.
Für Dich gelesen, recherchiert und neu interpretiert: Quelle
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