Weniger ausländische Immobilienkäufer auf Mallorca – Preise bleiben hoch

Weniger ausländische Käufer – Mallorca zwischen Preisboom und Atempause

Die Zahl der Immobilienkäufe durch Ausländer auf Mallorca sinkt. Preise bleiben hoch, Angebot schrumpft. Wie kann die Insel bezahlbar bleiben, ohne den Markt zu ersticken?

Rückgang ausländischer Käufer: Eine Atempause, die wehtut

Am Passeig Mallorca, Espresso stark, die Akustik: Klappern von Espressotassen, Roller in der Ferne, Stimmen vom Markt in Santa Catalina. Eine langjährige Maklerin zog die Schultern hoch: „Die Leute sind nicht weg, sie rechnen nur anders.“ Das passt zu den Zahlen des Statistischen Informationszentrums der Notare (CIEN): Im ersten Halbjahr 2025 sank die Zahl der an Ausländer verkauften Immobilien auf Mallorca um rund 6,8 Prozent auf 2.816 Transaktionen. Diese Entwicklung zeigt sich auch, wenn man die Preisentwicklungen in der Region betrachtet.

Was hinter den Zahlen steckt

Die Balearen halten dennoch einen hohen Ausländeranteil an Käufen – etwa 35,3 Prozent. Deutsche Käufer stellen fast die Hälfte dieser Gruppe, Briten rund 11 Prozent. Aber: Die Quadratmeterpreise für Objekte, die an Ausländer gingen, stiegen im Schnitt auf 4.896 €/m² (Vorjahr: 4.492 €/m²) und werden in der Analyse der zukünftigen Marktpreise detailliert besprochen. Gegenüber 2016 ist das ein Plus von etwa 76 Prozent. Für viele Interessenten ist das schlicht zu viel.

Die Entwicklung seit 2019 zeigt ein klares Muster: Starker Anstieg während der Pandemie, ein Rekordjahr 2021 bei Käufen durch Ausländer, dann ab 2023 die Abkühlung mit teils starken Rückgängen (-31 % im ersten Halbjahr 2023, -20,7 % im zweiten). 2024 brachte Stabilisierung, 2025 nun dieses moderate Minus. So gesehen: kein Zusammenbruch, sondern eine Marktanpassung. Laut Experten gibt es weitere Faktoren, die zu diesem Rückgang beigetragen haben, wie im Bericht über den bar bezahlten Immobilienkäufe erläutert.

Die Leitfrage

Wie kann Mallorca bezahlbar bleiben, ohne den Immobilienmarkt kapitulieren zu lassen? Das ist die zentrale Frage für Politiker, Investoren und Nachbarinnen im Treppenhaus, die morgens das Kind in den Kindergarten bringen. Antworten erfordern Blick über die reinen Verkaufszahlen hinaus.

Aspekte, die oft zu kurz kommen

Erstens: Es sind nicht nur Käuferzahlen, die zählen, sondern die Zusammensetzung des Marktes. Luxus- und Zweitwohnungssegment bleibt stabil, der mittlere Markt schrumpft. Zweitens: Angebotsverknappung entsteht nicht nur durch Nachfrage, sondern durch fehlende Neubauten im bezahlbaren Segment – Genehmigungsverfahren dauern, Baukosten und Vorschriften treiben Kosten hoch.

Drittens: Die Auswirkungen auf Mieter werden wenig diskutiert. Wenn Auslandskäufer seltener zuschlagen, wechseln Immobilien langsamer den Besitzer. Das verhindert kurzfristige Spekulation, aber entlastet Mieter nur begrenzt – weil Preise auf hohem Niveau bleiben. Ein weiterer Aspekt ist, dass fast jede zweite Immobilie auf den Balearen in ausländischer Hand ist. Viertens: Die Einnahmen der Gemeinden aus Grundsteuern und Zweitwohnungssteuern sind kurzfristig gesichert, langfristig kann eine verminderte Transaktionsdynamik aber Investitionen in Infrastruktur bremsen.

Konkrete Chancen und Lösungsansätze

Statt in Ideologien zu verfallen, braucht es pragmatische Maßnahmen:

1. Schnellerer, zielgerichteter Wohnungsbau: Kommunen sollten Baugenehmigungen für Projekte mit verpflichtendem Anteil an bezahlbarem Wohnraum priorisieren und administrative Hürden abbauen. Ein schneller, kleiner Gewinn für Familien in Palma oder Manacor.

2. Förderung von Build-to-Rent: Langfristige Mietprojekte können den Druck auf Kaufmärkte senken. Privatinvestoren lassen sich oft überzeugen, wenn Rendite und Planungsdauer realistisch kalkulierbar sind.

3. Steuerliche Anreize für Einheimische: Zuschüsse, Kaufprämien oder günstigere Hypotheken für Bewohner mit Wohnsitz auf Mallorca könnten den Erwerb für die lokale Bevölkerung erleichtern, ohne ausländische Käufer pauschal auszuschließen.

4. Nutzungsregeln für Zweitwohnungen überdenken: Statt Verkaufseinschränkungen könnten längere Vermietungszeiträume oder lokale Belegrechte für ortsansässige Mieter geprüft werden – sozial gerechter, rechtssicherer und politisch umsetzbarer.

5. Daten und Transparenz: Mehr lokale Daten zu Verkäufen, Leerstand, Kurzzeitvermietung und Baugenehmigungen helfen, Maßnahmen punktgenau zu steuern. Eine transparente Karte, die verrauchte Gerüchte über „leere Häuser“ beseitigt, wäre ein kleiner Fortschritt.

Blick nach vorne: Kleine Zeichen, große Wirkung

Zurück am Café: Die Tafel mit den Inseraten hängt noch, doch in der nächsten Woche könnten zwei Interessenten weniger davorstehen. Das ist für manche Makler ein Flüstern, für die Nachbarin im Treppenhaus spürbar. Die Zahlen des CIEN zeigen eine Talsohle oder nur eine Atempause? Wahrscheinlich Letzteres. Mallorca muss nutzen, was die Atempause bietet: Zeit für Strukturreformen, mehr sozialen Wohnungsbau und bessere Planung.

Das Schöne an der Insel bleibt: Menschen, die hier leben, wissen die Mischung aus Geruch von Meer und Pinien, das Klappern der Märkte und die Ruhe nach der Hochsaison zu schätzen. Wenn Politik und Wirtschaft jetzt kluge, unaufgeregte Maßnahmen ergreifen, kann aus der Atempause eine Chance werden – für bezahlbares Wohnen und ein ausgewogeneres Immobilienangebot.

Häufige Fragen

Warum kaufen weniger Ausländer Immobilien auf Mallorca?

Auf Mallorca ist die Zahl der Immobilienkäufe durch Ausländer zuletzt leicht zurückgegangen. Ein wichtiger Grund sind die gestiegenen Preise, die für viele Interessenten schwerer zu stemmen sind. Dazu kommen Unsicherheit über den Markt und ein insgesamt knapperes Angebot im mittleren Preissegment.

Wie hoch sind die Immobilienpreise auf Mallorca aktuell?

Die Preise auf Mallorca liegen im Schnitt deutlich höher als noch vor einigen Jahren, besonders bei Objekten, die an ausländische Käufer gehen. Für viele Menschen ist der Kauf dadurch schwieriger geworden, vor allem im mittleren Marktsegment. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage in gefragten Lagen stabil, was die Preise weiter auf hohem Niveau hält.

Ist Mallorca noch ein guter Zeitpunkt für den Immobilienkauf?

Ein guter Zeitpunkt hängt stark von Budget, Lage und Nutzungsziel ab. Wer auf Mallorca kaufen will, sollte nicht nur auf den Preis schauen, sondern auch auf Angebot, Finanzierung und langfristige Planung. Im aktuellen Markt ist Geduld oft wichtiger als Schnelligkeit.

Was bedeutet der Rückgang bei Auslandskäufen für Mieter auf Mallorca?

Für Mieter bringt ein Rückgang bei Auslandskäufen nicht automatisch Entlastung. Die Preise bleiben auf Mallorca insgesamt hoch, und das knappe Angebot im Wohnungsmarkt ändert sich dadurch nur langsam. Spürbare Verbesserungen für Mieter hängen eher von mehr Neubau und besserer Wohnungsplanung ab.

Welche Orte auf Mallorca sind vom Immobilienboom besonders betroffen?

Besonders spürbar ist der Druck dort, wo die Nachfrage nach Zweit- und Ferienimmobilien hoch bleibt, etwa in beliebten Stadt- und Küstenlagen. Auch in Palma zeigt sich der Markt angespannt, weil dort Wohnen, Kaufen und Vermieten stark konkurrieren. Der eigentliche Engpass liegt aber nicht nur an einzelnen Orten, sondern am insgesamt knappen Angebot.

Warum steigt der Anteil ausländischer Käufer auf Mallorca trotz Rückgang weiter hoch?

Auch wenn die Zahl der Käufe zuletzt etwas gesunken ist, bleibt der Anteil ausländischer Käufer auf Mallorca sehr hoch. Viele internationale Interessenten suchen weiterhin nach Ferienimmobilien oder einem Zweitwohnsitz auf der Insel. Das hält den Markt in gefragten Segmenten stabil, selbst wenn sich das Tempo etwas verlangsamt.

Welche Lösungen gibt es für bezahlbares Wohnen auf Mallorca?

Als sinnvoll gelten vor allem schnellerer Wohnungsbau, mehr Projekte zum langfristigen Mieten und gezielte Förderung für Einheimische. Auch klare Regeln für Zweitwohnungen und bessere Daten zum Wohnungsmarkt können helfen. Ohne zusätzliche Wohnungen im bezahlbaren Segment wird sich die Lage auf Mallorca jedoch nur langsam entspannen.

Wie entwickelt sich der Immobilienmarkt auf Mallorca 2025?

Der Markt auf Mallorca zeigt 2025 eher eine Abkühlung als einen Einbruch. Die Zahl der Auslandskäufe ist etwas gesunken, während die Preise weiterhin hoch bleiben. Das spricht für eine Anpassung des Marktes nach Jahren starken Wachstums, nicht für eine echte Krise.

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