Mitarbeiter am Check-in-Schalter in Jackett und Mantel bei rund 15°C am Flughafen Palma

Kalt am Schalter: Warum Mitarbeiter am Flughafen Palma im Jackett arbeiten müssen

Kalt am Schalter: Warum Mitarbeiter am Flughafen Palma im Jackett arbeiten müssen

Seit Ende Dezember berichten Beschäftigte am Flughafen Palma von Arbeitstemperaturen um die 15 °C. Ein technisches Problem sei behoben, sagt der Betreiber. Was bleibt offen – und wie lässt sich so etwas vermeiden?

Kalt am Schalter: Warum Mitarbeiter am Flughafen Palma im Jackett arbeiten müssen

Leitfrage: Wie konnte es beim Terminalumbau passieren, dass Beschäftigte monatelang bei nur etwa 15 °C ihren Dienst verrichten – und was muss jetzt passieren?

Wenn man im Januar durch die Abflughalle von Palma geht, prickelt einem nicht nur die morgendliche Seeluft in der Nase: An den Check‑in‑Schaltern sieht man Beschäftigte mit dicken Jacken, Schals und manchmal sogar Handschuhen. Reisende sind überrascht, die Kaffeedüfte aus den Kiosken bleiben bestehen, aber die Zugluft aus offenen Bauzonen macht vielen Angestellten sichtbar zu schaffen.

Die Gewerkschaft beschreibt Temperaturen von höchstens 15 °C seit Ende Dezember. Als Ursache nennt sie offene Bereiche und Durchzüge, die durch die laufenden Umbauarbeiten entstehen. Der Flughafenbetreiber erklärt, es habe sich um eine kurzfristige technische Störung gehandelt, die inzwischen behoben sei. Außerdem heißt es, die Umbauten sollen bis zur kommenden Sommersaison weitgehend abgeschlossen sein.

Das ist die nüchterne Faktenlage. Die Frage ist aber: Reichen Reparaturen einzelner Anlagen, um die Arbeitsbedingungen dauerhaft zu sichern? Kurzfristig mag ein Heizungsausfall repariert worden sein. Langfristig geht es um Planung, Verantwortung und Arbeits- sowie Gesundheitsschutz während großer Bauphasen.

Was jetzt oft fehlt im öffentlichen Gespräch: der klare Blick auf die Menschen, die täglich im Terminal stehen. Passagiere sind temporär unkomfortabel, das ist ärgerlich. Doch dauerhaftes Arbeiten in ungeheizten, zugigen Bereichen hat Folgen — für die Gesundheit der Beschäftigten, für die Servicequalität und für den Betriebsablauf, wenn Krankheitstage oder Fehler zunehmen.

Auf Mallorca sind Baustellen im Winter keine Seltenheit; auf der Straße nach Portixol, in der Nähe der Bushaltestellen am Plaça d'Espanya sieht man Gerüste und Absperrungen. So entsteht schnell der Eindruck: Bei laufendem Betrieb wird gebaut – und das Sicherheits- und Komfortmanagement bleibt Stückwerk.

Eine kritische Einschätzung verlangt konkrete Schritte: Erstens müssen Risiko‑ und Bedürfnisanalysen vor Beginn großer Umbauten verpflichtend sein. Das heißt, für jede Baustelle im laufenden Betrieb eine dokumentierte Einschätzung, welche Bereiche temporär geschlossen, abgehängt oder beheizt werden müssen.

Zweitens: temporäre Maßnahmen haben Priorität. Mobile Heizgeräte an Check‑in und an Arbeitsplätzen, provisorische Trennwände gegen Zugluft, klare Laufwege für Beschäftigte – das sind einfache, sofort umsetzbare Maßnahmen. Sie kosten deutlich weniger als Produktivitätsverluste und vermeiden unnötige Krankheitsausfälle.

Drittens: transparente Kommunikation und Monitoring. Mitarbeiter sollten über die Baupläne informiert und Temperaturmessungen öffentlich einsehbar sein. Ein digitales Dashboard für Raumklima, das Betriebsleitung, Gewerkschaft und Belegschaft Zugang gibt, schafft Vertrauen und kann schnelle Reaktionen erleichtern.

Viertens: verbindliche Regeln im Arbeits- und Gesundheitsschutz. Arbeitgeber haben nach spanischem Arbeitsrecht allgemeine Pflichten, für sichere und gesunde Arbeitsbedingungen zu sorgen. Praktisch heißt das: kurzfristige Störfälle dürfen nicht zur Regel werden; Ersatzgeräte und Schutzkleidung müssen vorhanden sein, und die Tätigkeit darf nicht auf Kosten der Gesundheit gehen.

Ein Alltagsbild aus Palma bringt es auf den Punkt: Eine Sicherheitskontrolle am Gate 5, draußen Nieselregen, innen ein Mitarbeiter mit dicker Jacke, der zwischen Gepäckbändern hin und her läuft – er lächelt, spricht freundlich mit Gästen, wirkt aber angespannt. Solche Szenen zeigen, dass Dienstleistungsfreundlichkeit und physische Belastung oft parallel existieren.

Was in der öffentlichen Debatte fehlt: die Frage nach Verantwortlichkeiten entlang der Kette von Auftraggebern, Bauunternehmen und dem Flughafenbetreiber. Wer trägt die Kosten für provisorische Lösungen? Und wie werden Auftragnehmer geprüft, damit Bauphasen mit Blick auf Menschen geplant werden?

Konkrete Vorschläge für die nächsten Wochen: eine unabhängige Temperaturmessung in kritischen Bereichen, ein kurzfristiger Fonds für provisorische Wärme‑ und Schutzmaßnahmen, regelmäßige Treffen zwischen Betriebsleitung, Betriebsrat und Gewerkschaft sowie eine verbindliche Checkliste für künftige Baustellen im laufenden Betrieb.

Fazit: Technische Störungen passieren. Was zählt, ist die Reaktion. Auf Mallorca darf ein funktionierender Flughafen nicht zulasten der Menschen gehen, die ihn betreiben. Wer jetzt sichtbare, schnelle Maßnahmen ergreift und langfristig Bauphasen mit Blick auf Arbeitsbedingungen plant, verhindert, dass solche Vorfälle im nächsten Winter wieder Schlagzeilen machen — und sorgt dafür, dass Reisende und Beschäftigte mit weniger Sorgen und mehr Funktionalität durch den Terminal kommen.

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