
Radweg in Palma: Blanquerna verliert Strecke – wer zahlt den Preis für mehr Sicherheit?
Die Stadt verlegt den Radweg von Calle Blanquerna auf die Calle 31 de Diciembre. 15–20 Parkplätze fallen weg, Kosten rund 300.000 €. Sicherheit ja — aber welche Kompromisse bleiben?
Radweg wechselt die Straße – mitten im Alltag von Palma
Am Morgen an der Calle Blanquerna klingt es wie gewohnt: das Klappern von Tassen auf den Terrassen, Gespräche in verschiedenen Dialekten, ein Fahrradklingeln, das sich durch die Gasse schlängelt. Bald könnte diese Geräuschmischung anders klingen. Die Stadt Palma hat beschlossen, die Radspur aus der Blanquerna zu nehmen und stattdessen auf die Calle 31 de Diciembre zu verlegen. Eine einfache Linie auf der Karte – für Anwohner und Geschäftsinhaber aber ein spürbarer Eingriff in den Alltag.
Die zentrale Frage
Wird mehr Sicherheit automatisch Gewinner bedeuten, oder zahlt die Nachbarschaft mit verlorenen Parkplätzen und komplizierten Lieferwegen? Das ist die Frage, die bislang in den offiziellen Ankündigungen zu kurz kommt.
Was geplant ist – die Fakten
Die neue Radspur soll auf der Fahrbahn markiert werden, nicht auf dem Gehweg. Ziel ist, Konflikte zwischen Fußgängern, Außengastronomie und Radlern zu reduzieren. Laut Stadt fallen dadurch schätzungsweise 15 bis 20 Parkplätze weg, die Umgestaltung kostet rund 300.000 Euro. Ein früher Baustart ist für nächstes Frühjahr angekündigt; es soll nicht nur Farbe, sondern auch bessere Beschilderung und punktuelle Umgestaltungen an Kreuzungen geben.
Wer profitiert – und wer verliert?
Radpendler wie Tomás sind klar auf ihrer Seite: „Auf der Straße kann ich gleichmäßiger fahren. Keine geöffnete Autotür, keine Tische im Weg.“ Für Fußgänger und Café-Betreiberinnen wie Catalina ist die Idee ambivalent. Catalina sagt: „Sechs Räder nebeneinander, Leute müssen ausweichen – das ist nervig. Sicherer ist gut, solange die Gäste nicht darunter leiden.“
Die lautesten Gegenstimmen kommen von Menschen wie Herrn Gómez, der seit Jahrzehnten dort parkt: „Wo stelle ich mein Auto für den Brötchenkauf ab?“, fragt er. Solche Fragen sind nicht nur Nostalgie; sie betreffen ältere Anwohner, Menschen mit eingeschränkter Mobilität und kleine Betriebe mit täglichem Anlieferbedarf.
Was oft zu kurz kommt
Öffentliche Debatten fokussieren häufig auf das Verhältnis Radfahrer vs. Fußgänger. Weniger beleuchtet werden Aspekte wie Lieferlogistik, Barrierefreiheit und die Anschlussfähigkeit des Radnetzes. Wenn die Spur auf die Calle 31 de Diciembre verschoben wird, wie sieht es an Kreuzungen aus, wo die Fahrbahn schmaler wird? Wer kümmert sich um nachts anliefernde Restaurants? Werden Rollstuhlfahrer durch geparkte Lieferfahrzeuge zusätzlich behindert?
Ein weiterer Punkt: Kontinuität des Radnetzes. Ein Stück sichere Radspur, das an einer ungeschützten Kreuzung endet, bringt weniger als eine durchgängige Verbindung. Der geplante Aufwand von rund 300.000 Euro muss deshalb an die Frage gekoppelt werden: Führt das Projekt zu einer echten Verbesserung der täglichen Wege oder ist es ein kosmetischer Eingriff?
Konstruktive Lösungen, die diskutiert werden sollten
Statt nur Parkplätze zu streichen, könnten kurzfristige und langfristige Maßnahmen kombiniert werden:
- Ersatzparkplätze: gezielte Umwidmung von Nebenstraßen, zeitlich begrenzte Parkzonen für Anwohner oder die Schaffung kleiner, aber effiziente Parkflächen hinter der Hauptstraße.
- Ladezonen und Lieferfenster: zeitlich begrenzte Haltezonen für Lieferungen, besonders in den frühen Morgenstunden oder spätabends, damit die Gastronomie nicht leidet.
- Pilotphase mit flexiblen Maßnahmen: erst Markierung und mobile Poller testen, dann entscheiden, ob bauliche Schutzmaßnahmen folgen.
- Barrierefreie Lösungen: Gehwege an kritischen Stellen anheben oder ausweisen, damit ältere Menschen und Rollstuhlfahrer nicht benachteiligt werden.
- Beteiligung und Transparenz: Ein verbindlicher Plan, der Anwohner, Geschäftsleute und Fahrradverbände in die Detailplanung einbindet, statt erst Fakten zu schaffen. Informationen zu ähnlichen Projekten finden Sie hier.
Fazit: Ordnung ins kleine Durcheinander bringen – aber wie?
Die Verlegung der Radspur ist ein Versuch, das tägliche Durcheinander zwischen Kellnerinnen mit Tablett, hastigen Radlern und Lieferern besser zu ordnen. Das ist löblich. Aber Zweck und Mittel müssen im richtigen Verhältnis stehen. Wer gewinnt auf Dauer, wer verliert nur kurzfristig? Die Stadt hat Zahlen genannt – Kosten, Anzahl Parkplätze, groben Zeitplan. Was fehlt, ist die saubere Antwort auf die Frage nach Ausgleichsmaßnahmen und Übergangsregeln. Weitere Informationen zu Sicherheitsmaßnahmen in Palma finden Sie auch hier.
Wenn Sie das nächste Mal morgens die Blanquerna entlanglaufen, hören Sie nicht nur das Glockenklingeln eines Fahrrads. Sie hören auch die Stimmen, die von Änderungen betroffen sind: Die Cafés, die Lieferanten, die Älteren mit ihrem Parkticket. Ein ordentliches Durcheinander also — mit guten Chancen, besser zu werden, wenn die Stadt die richtigen Konzepte zu Ende denkt. Für detaillierte Informationen zur Radweggestaltung auf Mallorca besuchen Sie bitte diese Seite.
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