
Weniger Buffet, mehr Pfanne: Wie Selbstkochen Mallorca verändert
Immer mehr Gäste auf Mallorca bevorzugen Apartments mit Küche statt All-Inclusive. Ein Trend, der Märkte, Vermieter und den Alltag an der Küste verändert – und ein Urlaubserlebnis wieder bodenständiger macht.
Weniger Buffet, mehr Pfanne: Warum Selbstkochen auf Mallorca gerade an Fahrt gewinnt
Als die Sonne an diesem Vormittag über den Ständen des Mercat d’Alcúdia langsam wärmer wurde, hörte man das Klappern von Holzkisten, das Rufen der Händler und das leise Plätschern vom Hafen. Familien mit ausladenden Einkaufstaschen, Paare, die Kräuter auswählten, und junge Leute mit einer Packung Pasta – alles mischte sich zu einem ganz normalen Inselleben. Nur: Es war Urlaub. Immer mehr Gäste entscheiden sich heute dafür, selbst zu kochen, statt sich durch Buffets zu schaufeln.
Was man merkt: In Nordmallorca – insbesondere Alcúdia und Can Picafort – steigt die Nachfrage nach Apartments mit eigener Küche. Vermieter rüsten nach: bessere Pfannen, ein Schneidebrett mehr, manchmal ein kleiner Gewürzschrank. Die Hotellerie bleibt nicht unberührt: Anfragen nach All-Inclusive nehmen ab, flexible Tarife und Zimmer mit Kitchenette gewinnen an Bedeutung. Ferienwohnungen sind im Vormarsch und tragen dazu bei, dass Gäste ihren Urlaub selbst gestalten können.
Warum kochen so viele selbst? Mehr als nur Sparen
Preisbewusstsein spielt eine Rolle, klar. Viele bleiben länger, wollen flexibler sein und nicht an Buffetzeiten gebunden werden. Doch es geht nicht nur ums Geld: Ernährungsvorlieben, Unverträglichkeiten und der Wunsch nach Authentizität treiben diesen Wandel. Jemand, der morgens eine Scheibe sobrasada auf dem Balkon schmiert und dabei Möwengekreisch hört, sucht ein anderes Gefühl als das Hotelbuffet um halb neun.
Und dann ist da das Gefühl, wirklich vor Ort zu sein: Einkaufen bei der Bäckerei, die schon um sechs Uhr öffnet, frische Tomaten vom Markt, ein Gläschen Wein auf dem Passeig — kleine Rituale, die Mallorca für wenige Tage zur Heimat machen. Das hat etwas Bodenständiges und Beruhigendes.
Was bedeutet das für die Insel?
Für lokale Anbieter ist das eine Chance. Supermärkte erweitern das Sortiment, Bäckereien und kleine Läden spüren mehr Nachfrage nach vertrauten Produkten und offenbaren überraschende Öffnungszeiten. Die Nähe zum Produzenten wird wichtiger: Verkäufer tragen Olivenölproben durch die Stände, Händler erklären, welche Tomate am besten für eine Salmorejo ist. Das sorgt für regionale Wertschöpfung und verteilt touristische Ausgaben breiter über die Orte. Die Gastronomie muss sich an diesen Wandel anpassen und neue Konzepte entwickeln.
Vermieter und Hoteliers reagieren pragmatisch: Nicht jeder will ein Apartment sein Eigen nennen, aber viele bieten hybrid an – ein Hotel, das auch Kochnischen bereithält, oder Apartments mit Reinigungsservice. So bleibt die Balance zwischen Bequemlichkeit und Unabhängigkeit erhalten.
Ein kleiner Appell an Gastgeber und Politik
Der Trend ist nicht nur nett anzusehen, er braucht Infrastruktur: Mülltrennung, gut ausgestattete Küchen, ausreichende Einkaufsmöglichkeiten in Randgebieten. Ein wenig Unterstützung bei der Entsorgung und klare Regeln für Kurzzeitvermietungen würden helfen, Konflikte zu vermeiden. Gleichzeitig sollten Vermieter auf Qualität statt Quantität setzen: Eine funktionierende Pfanne und ein ordentliches Messer sind oft wichtiger als ein teurer Kaffeevollautomat, den keiner benutzt. Die Herausforderungen müssen ernst genommen werden.
Für Mallorca selbst ist das ein Aufatmen Richtung Alltagstauglichkeit: weniger Schlangestehen, mehr langsam gekochte Momente, mehr Geld, das in kleinen Läden hängen bleibt. Und ganz ehrlich — wer möchte nicht nach einem Tag am Meer mit dem Duft von Knoblauch und gebratenen Paprika den Abend ausklingen lassen?
Vielleicht ist es nur ein kulinarischer Wandel. Vielleicht ist es ein neues Verhältnis zum Urlaub. Auf jeden Fall fühlt sich so ein Abend in einer kleinen Ferienwohnung an wie ein kurzes Zuhause — und das ist, bei allem Trubel, eine schöne Sache für die Insel.
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